12.3.2012 #s21 Schmierenjournalismus vom Feinsten #vuck21
Darauf hat die Welt gewartet! Ein neues Stück billiger Schmierenjournalismus ganz im Zeichen der ewiggestrigen Befürworter von Stuttgart21. Auf Twitter wird von der Stuttgarter Zeitung verbreitet, dass der Widerstand bröckele, und es wird auf einen Artikel verwiesen, der "Protest im Hamsterrad" titelt. Wieder wird versucht, vergleichsweise platt und wenig differenziert den Widerstand kleinzureden. Das ist so billig und durchschaubar und gleichzeitig lächerlich, dass es schon fast physisch weh tut!
Beim Lesen kann ich mich erneut des Eindrucks nicht verwehren, dass sich hier Redakteure der Lokalzeitung vor einer Woche zum ersten Mal auf eine Montagsdemonstration gegen Stuttgart21 verlaufen haben. Wenn nicht, muss man sich fragen, wann sie das letzte Mal dort waren, wenn sie schreiben: "Davon abgesehen hat sich einiges verändert, seit zu den Hochzeiten bis zu hunderttausend Menschen durch die Innenstadt zogen, um gegen Stuttgart 21 zu protestieren. Mehr als drei Monate nach dem Volksentscheid ist vor dem Bahnhof ein vergleichsweise kleines Häufchen von Demonstranten übrig geblieben, für die der wöchentliche Montagsaufzug zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden ist." Denn die Hochzeit war im Hebst 2010, also vor eineinhalb Jahren, und heute wird festgestellt, dass im Vergleich dazu ein "kleines Häufchen" übriggeblieben sei. Wo waren die Redakteure in der Zwischenzeit? Richtig, nicht vor Ort! Und warum wird derart abfällig über bürgschaftliches Engagement geschrieben? Dass heute nun die 115. Montagsdemonstration stattfindet, die noch immer Woche für Woche rund 2.000 Menschen auf die Straße bringt, sollte keine Zweifel an der Vernunft der Bürger, die sich hier engagieren, schüren, sondern im Gegenteil eigentlich zu Fragen ermuntern, warum es für so viele Menschen noch immer so viel Grund gibt, auf die Straße zu gehen! Glauben Sie mir, liebe StZ, ich wüsste mit meinen Montag Abenden besseres anzufangen, als bei Wind und Wetter auf der Straße zu stehen! Und bitte schaut Euch die zahlreichen Fotos der letzten Montagsdemo an und zählt einfach einmal die Köpfe! Die von der Polizei genannten 600 Demonstranten, die Ihr zitiert, sind so offensichtlich politisch motiviert, das solltet selbst Ihr erkennen!!
Dass die Gedächtnisse der Redakteure nicht die besten sind, merkt man gleich darauf an folgender Äußerung: "Längst werden nicht mehr nur zum Thema Stuttgart 21 Bürgerbriefe verteilt. Auch AKW-Gegner, Friedensaktivisten, Anbieter von Notstromaggregaten und Initiativen wie das Forum Stadtwerke 2012 werben für ihre Interessen. Zwischen den unterschiedlichsten Transparenten und Flaggen weht die rote Fahne der DKP. Auf die Pappschilder sind Sätze gemalt wie „Geißler, Sie Judas!“ oder „Stuttgart grüßt Kairo“." War das jemals anders? Die Montagsdemonstrationen waren nie eine thematisch abgeschottete Veranstaltung, es wurde natürlich immer auch auf andere Mißstände aufmerksam gemacht - und natürlich schwimmen im Kielwasser auch Vereinigungen, deren Ziele man nicht gutheißen muss. Das, liebe StZ, war aber niemals anders!!
Dann werden Conradi und Stocker bemüht, die sich genauso kritisch mit der Bürgerbewegung auseinandersetzen, wie wohl jeder, der sich hier engagiert. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Wir diskutieren und diskutierten immer schon intern, was die richtige Linie ist, was die richtige Form des Protests, wie wir uns organisieren sollen etc.pp. Worüber die StZ leider überhaupt kein Wort verliert, ist, dass es genau das Engagement der Parteien war, die die Bürgerbewegung in eine so schwierige Lage gebracht hat, denn nicht zuletzt waren es die im Bündnis engagierten Parteien und Parteigänger, die sich für die Schlichtung, für den Stresstest, für die Volksabstimmung ausgesprochen haben - und die gleichzeitig immer darauf geschaut haben, dass das Bild des Protests nach draußen "sympathisch" und "anständig" wirkt. Mir und vielen anderen geht es um Protest! Und da ist es mir egal, wie ihn andere Bürger aufnehmen, ob er "sympathisch" oder "anständig" wirkt. Ich nehme mein Recht war, zu demonstrieren und zu protestieren, ob auf der Schillerstraße oder auf dem Marktplatz! Was an diesen Demos und den Kundgebungen "derb und laut" sein soll, erschließt sich mir nicht!
"Die Bäume sind gefällt, doch die Parkschützer halten beharrlich an den Montagsdemos, Kundgebungen und Trauermärschen fest. Sie kämpfen auch gegen den Bedeutungsverlust. Das Aktionsbündnis gegen den Tiefbahnhof steht vor ähnlichen Problemen: So schaffte es Hannes Rockenbauch zu besten Zeiten regelmäßig bis in die „Tagesschau“ und machte sich mit spektakulären Besetzungsaktionen am Bahnhof als „linker Flügelstürmer“ einen Namen." Was bezweckt die StZ nun mit diesem Absatz? Der erste Satz klingt so, als müssten oder sollten wir jetzt auffhören, zu demonstrieren, wo die Bäume gefällt sind! Das hätten sie gerne! Und dass Rockenbauch regelmäßig in der Tagesschau gewesen sei, ist nun auch schon viele, viele Monate her und war auch nur im Nachklang zum 30.09. so. Hier wird ein Bild vermittelt, das so einfach nicht stimmt.
Auch an der Samstagsdemo war die StZ offensichtlich nicht vor Ort. Wie sonst sind so faktisch falsche Sätze zu erklären wie: "Das bekamen am Samstag erneut die Wochenendeinkäufer in der Innenstadt zu spüren. Polizisten riegelten die Willy-Brandt-Straße ab, während ein Trauerzug der Parkschützer zum Planetarium zog." Die Polizei hat die Willi-Brandt-Straße nicht abgesperrt, der Zug lief auf dem Seitenstreifen entlang, der Verkehr konnte relativ ungehindert daran vorbei fließen. Ganz im Gegenteil musste man sich als Demonstrant wundern, wie die Polizei so viele Menschen direkt neben einer so vielbefahrenen Straße laufen lassen konnte! Das war nicht ganz ungefährlich!
Fazit: Liebe StZ, warum versucht Ihr noch immer ein ums andere Mal die Bürgerbewegung gegen S21 zu diskreditieren und klein zu reden? Aus vielen Eurer Äußerungen geht hervor, dass Ihr eben nicht vor Ort gewesen seid, was man darüber hinaus leicht daran erkennt, dass Ihr häufig kritiklos dpa-Meldungen von Ereignissen vor Eurer Haustür übernehmt. Der Widerstand, die Bürgerbewegung gegen S21 lebt! Das ist die gute Nachricht! Dass wir uns immer wieder nach Rückschlägen neu erfinden müssen, ist doch eine Selbstverständlichkeit und schon häufiger passiert! Und dass es immer wieder zu großen Diskussionen um die richtige Richtung kommt, ist doch nun auch nichts Verdammenswürdiges! Ganz im Gegenteil zeigt sich hier, dass wir so lebendig wie eh und je sind. Und ich bin mir sicher, dass wir uns neu erfinden und weitere neue, kreative Formen des Protests finden werden. Grund zum Protest haben wir ja genug, wie Ihr, wenn Ihr denn nur wolltet, auch einmal berichten könntet. Aber dazu ist der Filz, in den Ihr fest eingewoben seid, wohl einfach zu dicht und schwarz. Schade! Lieber redet Ihr uns klein und leutet mal wieder unser Totenglöckchen.
Als Alternative bleiben die Kontext:Wochenzeitung und die Einund20, beides hervorragende Blätter, an denen sich mancher Redakteur und Journalist der StZ und StN eine Scheibe abschneiden könnte.
Oben bleiben!