15.11.2011 WENN WIR NICHT WOLLEN, KANN #S21 NICHT DURCHGESETZT WERDEN!!!

Stellt Euch vor, die Bahn will den Südflügel abreissen oder Bäume Fällen und die Arbeitsfahrzeuge kommen nicht bis zu ihrem Bestimmungsort. Stellt Euch vor, die Polizei will den Schlossgarten abriegeln, es ist aber für die Wachablösung kein Durchkommen bis nach Stuttgart. Stellt Euch vor, Autobahnen rund um Stuttgart sind tagelang verstopft, weil Menschen aus Protest eine Weiterfahrt verhindern. Stellt Euch vor, in der Stuttgarter Innenstadt ziehen zwei größere spontane Demonstrationen gleichzeitig ziellos umher. Stellt Euch vor ...

Was wollt Ihr tun, wenn der Tag der Tage eintritt? Darüber müssen wir uns heute bereits Gedanken machen! Ich werde jedenfalls nicht am Zaun vor Polizisten stehen und in meine Trillerpfeiffe pusten! Ja, ich fordere dazu auf, im Fall der Fälle zivilen Ungehorsam zu leisten! Das Aktionsbündnis ist sich ja leider zu schade dafür, befürchtet negative Presse, befürchtet, nicht alles steuern zu können! Dabei ist ziviler Ungehorsam per se keine Straftat, sondern eine legitime Art der demokratischen Teilhabe eines jeden Bürgers durch symbolische Regelverletzungen! Und jeder hat es selbst in der Hand, was er tut und wie weit er geht! Ich jedenfalls habe keine Lust mehr auf diesen braven, berechenbaren "Widerstand".

Die Routine am GWM ist mir fast unerträglich geworden. Jeden Morgen stehen dort dieselben Leute, dieselbe Polizei, dieselben Bauarbeiter. Jeden Morgen um 7 Uhr sind die Fahrzeuge im GWM und es wird auf dieser nicht legitimen Baustelle weitergearbeitet. Jeden Morgen bekommen die drei, vier selben Personen Platzverweise. Wie lange soll das noch so gehen??? Es geht mir nicht um Sabotage oder Sachbeschädigung, ich rufe ganz sicher nicht zu Straftaten auf, denn ich bin Demokrat, respektiere den Rechtsstaat und achte die Gesetze. Und gerade aus meinem tiefen Gerechtigkeitsempfinden heraus fällt es mir immer schwerer, zu akzeptieren, wie mit uns und unserem Widerstand gegen das undemokratische, unökonomische, unökologische, unästhetische und deshalb unsinnige Wahnsinnsprojekt Stuttgart21 umgegangen wird. Mir geht es um die gezielte, spontane Störung des Alltags und Stuttgarter Betriebs - in welcher Form auch immer. Bis zum 27. November halte ich still, aber sobald absehbar ist, dass die Bahn zur Tat schreitet, halte ich nicht mehr still! Ich hoffte wie ganz viele auf die Grüne Regierung - aber Herr Kretschmann äußert sich nicht zu den Knastcontainern, zu der Drohkulisse der 9000 Polizisten, kämpft nicht offen und klar für unsere Sache, sondern gleicht aus, wo es meiner Meinung nach nichts auszugleichen gibt! Zu viele Fakten sprechen eine klare Sprache!

Wir wissen, dass wir wahrscheinlich nicht viel erreichen können, wenn die Polizei nachts um 3 oder 4 Uhr anrückt - den Parkschützeralarm werden die meisten überschlafen, die anderen kommen per ÖPNV nicht nach Stuttgart rein, die meisten werden zu spät kommen. Der Park kann um diese Zeit schnell dicht gemacht werden, erst dann wird man die Zelte gemächlich räumen. Wir müssen damit rechnen, dass schnell Tatsachen geschaffen werden, die wir nicht verhindern können. Ich frage einfach mal: was passiert dann? Was können wir dann tun? Was wollt ihr tun? Wie weit seid Ihr bereit zu gehen? Wir müssen viele sein, wenn wir etwas erreichen wollen, das sollte uns klar sein.

Seid ihr bereit, zivilen Ungehorsam zu leisten? Wir müssen uns vor der Polizei nicht verstecken. Die liest hier mit und soll ruhig wissen, dass wir nicht untätig zusehen werden, wie hier ein nicht legitimiertes und in vielerlei Hinsicht äußerst fragwürdiges Projekt mit Polizeigewalt durchgesetzt werden soll. Drohen können wir auch! Lasst uns ebenfalls eine Drohkulisse aufbauen und der Polizei, der Bahn und den Verantwortlichen in Bund, Land und Stadt sagen, mit was sie zu rechnen haben, wenn dieser Unsinn nicht gestoppt wird! Wir sind nicht machtlos! Es gibt nur eine Voraussetzung, die gegeben sein muss: Wir müssen viele sein, um erfolgreich zu sein!

Es ist noch immer unsere Stadt! Und unser Bahnhof! Und unser Park!

Oben bleiben!