21.02.2012 #s21 Die Birke mit dem V für Vällen #cams21 #s9000
Heute vormittag kam ich oberhalb des Planetariums vorbei, von wo ich unten im Park eine große Rundspatenmaschine sah, die gerade kurz davor stand, einen Baum aus der Erde herauszuheben. So ging ich hinunter zum Eingang der Staatsgalerie und am Planetarium vorbei, um diesem ungeheuren Irrsinn zuzusehen. Auf den Treppen fiel mein Blick auf eine 15 Meter hohe Birke, die links neben der Treppe stand. Auf der weißen Rinde prangte in Neonorange ein großes V. Ich freute mich fast schon, weil Birken meine Lieblingsbäume sind und ich dachte, ach, vielleicht schafft es diese Birke ja, wenn sie versetzt wird und entgeht dem Schredder. Denn das V steht für "Versetzen".
Kaum war ich am Planetarium angekommen, heulte oberhalb von mir neben der Treppe eine Kettensäge auf und ein Baum fiel auf die Erde. Zuerst wunderte ich mich, denn eigentlich müsste dieser Baum die Birke gewesen sein. Die hatte aber doch ein V auf ihrem Stamm. Ich rannte also zurück, um mich zu vergewissern, welcher Baum dort gerade gefällt wurde. Und tatsächlich hatten sie genau diese Birke gefällt. Das V war noch gut zu sehen. Ich schrie daraufhin die Arbeiter an, dass sie gerade einen Baum, der versetzt werden sollte, gefällt hätten. Ein Arbeiter schrie zurück, dass auf der anderen Stammseite ein durchgestrichenes V gestanden hätte. Leider konnte man das vom Fußweg aus nicht sehen. So ging ich also zur Polizei und fragte, ob ich kurz schauen dürfte, was auf der anderen Stammseite stünde. Doch die meinte, dass das nicht ginge. Den Einsatzleiter wollte man nicht holen. Als ich sagte, dass ich von der Presse sei, wurde mir vorgeschlagen, einen Pressesprecher zu holen. Dieser könne mir aber auch nicht den Zutritt zu dem Baum erlauben. Dabei bestand überhaupt keine Gefahr, der Baum lag am Boden, die Arbeiter waren bereits wieder zwanzig Meter weiter weg an anderer Stelle beschäftigt. Man wollte mir einfach nicht helfen. Der letzte Polizist, den ich ansprach, war ein sehr netter und verständnisvoller, aber auch er meinte, dass er hier keine Ausnahme machen könnte.
Das trieb mir wieder Tränen der Ohnmacht, Verägerung und tiefen Trauer in die Augen, dabei dachte ich ich wäre darüber hinweg. Ich habe wieder das Gefühl, dass die Bahn mit uns und unserem Schlossgarten tun und lassen darf, was sie will. Niemand kontrolliert, niemand fühlt sich zuständig, es wird einfach beim Abholzen zugesehen im blinden Vertrauen darauf, dass schon alles korrekt sein wird. Und es ist eben nicht alles korrekt!
So machte ich mich auf den Weg zum Steg am Le Meridien. Neben dem Bauzaun außerhalb des eingezäunten Gebiets wurde gestern ein riesiger Baum gefällt. Auch die Birken um das Kriegsdenkmal der Olga-Division sind markiert. Etwas verwundert war ich, als ich ein riesiges Loch in dem kleinen Birkenhain sah, wo offenbar bereits eine Birke herausgerupft wurde. Dieses Loch, sicher zwei Meter tief, war nicht abgesperrt oder sichtbar markiert. Mitten auf der Wiese, ohne Absperrung oder Hinweis ist nun also ein großes Loch. Korrekte Baustellensicherung ist offenbar auch nicht so wichtig. Die Polizei ist offenbar nur dafür da, die Baustellen vor den gewaltätigen Demonstranten zu sichern, nicht die Demonstranten vor lebensgefährlichen Baustellen.
Der Anblick der gerodeten Flächen ist gräßlich. Zwar bin ich nicht abergläubig, aber ein guter Stern prangt ganz sicher nicht über diesem Projekt. Ich bin mir sicher, dass sich dieser enorme Frevel rächen wird. Leider ist nur das Opfer, das die Stuttgarter erbringen müssen, so sehr groß!
Oben bleiben!
