23.01.2012 #s21 Die Bahn lernt einfach nichts dazu #cams21

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat die Bahn überraschend (das sagen sogar die StN) unter großem Polizeischutz über 30 Bäume gefällt. Für eine genaue Chronologie der Ereignisse siehe auch cams21.de

Ich erinnere mich noch gut an die Versprechungen der Bahn im vergangenen Jahr, keine Nacht-und-Nebel-Aktionen mehr durchzuführen, sondern transparent zu kommunizieren und die kommenden Aktionen klar anzukündigen. Dies solle einem neuen und deeskalierenden Miteinander dienen, denn Bilder wie am 30.09.2010 wolle man ja nicht mehr sehen.

Herr Dietrich, der Sprecher des "Kommunikationsbüros", gibt sich vollkommen unschuldig und ist der Überzeugung, der Transparenz genüge getan zu haben: er habe am Freitag angekündigt, die Baustelle werde in den kommenden Tagen eingerichtet. Genauso hätte er behaupten können, die Ankündigung, bis 2019 Stuttgart21 zu beenden, sei Transparenz genug, denn jeder wisse ja jetzt, dass gebaut würde.
Warum die Bahn die Bäume in der Nacht von Samstag auf Sonntag fällen ließ, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Fragwürdig und vollkommen intransparent bleibt: lagen die entsprechenden und notwendigen Baumgutachten vor? Normalerweise ist eine Fällung von Bäumen nur bei Tageslicht erlaubt - gab es hierfür eine Ausnahmegenehmigung? Das Fällen der Bäume bei den starken Windböen, die in dieser Nacht herrschten, war nicht ganz ungefährlich - und ist normalerweise untersagt. Es bestand keine Notwendigkeit, das teure Wochenende für die Fällung zu wählen, der Wagenburgtunnel selbst wird oft genug unter der Woche für Wartungsarbeiten gesperrt. Die Einrichtung der Baustelle in dieser Nacht geschah auf Wunsch der Bahn, nicht aus Notwendigkeiten der Polizei. Warum stellt die Bahn Ausnahmegenehmigungen und Gutachten nicht einfach online? Diese sind ja kein Geheimnis - und wenn man sie hat, sollte das doch jeder wissen. Das wäre Transparenz! Nein, das ist die einzig akzeptable Form der Transparenz, denn zu oft wurde hier bereits gemauschelt und verheimlicht!

Vor diesem Hintergrund und bei all den ungeklärten Fragen sollten sich weder Herr Keilbach noch Herr Dietrich wundern, wenn die Stimmung aggressiv war! Dass die Bahn wieder in ihre alten, intransparenten Verhaltensweisen verfällt und meint, das Projekt nur in Nacht-und-Nebel-Aktionen vorantreiben zu können, macht auch mich wütend und aggressiv! Das aktuelle Gebaren der Bahn widerspricht vollkommen ihren lauten Tönen des vergangenen Jahres und zeigt, dass die Ankündigung zu mehr Transparenz nichts als ein reines Lippenbekenntnis war.

Oben bleiben!