5.4.2012 #s21 Lernen wir endlich aus unseren Fehlern! #vuck21

Es ist alles eine Frage der richtigen Kommunikation! So hört man es häufig, wenn mal wieder die Bürger vergessen wurden. Stuttgart21 sei -glaubt man diesen Stimmen und ganz unabhängig aller real exitsierender Mängel - vor allem falsch kommuniziert worden. Die Menschen seien dort, wo sie damals waren, kommunikativ nicht abgeholt worden und gingen deshalb auf die Straße.

So gesehen wäre OB-Kandidat Sebastian Turner ein Glück. Vielleicht nicht für die Stuttgart21-Gegner, aber doch für die Befürworter, denn die hätten endlich einen, der durch seine überragende kommunikative Expertise den Bürgern nicht nur die FAZ, sondern S21 und gleich auch die passende Versicherung, Plastikschaufel und Heizdecke für kommende kalte Tage mit verkaufen würde. Man muss nur wissen, wie und wo man die Bürger und Piraten abholen muss. Ein kluger Marketing-Kopf, der Herr Turner, aber kein geeigneter OB!

Wenn man nicht glaubt, dass alles Kommunikation ist, bleibt OB-Kandidat Fritz Kuhn als Alternative. Kuhn reduziert seine Haltung zu S21 darauf, dass er ja gerne würde, wenn er denn könnte, aber er könne ja nicht, weil das Volk nicht wolle. Das ist gelebte Demokratie! Und jetzt, liebe Bürger, gibt es nichts mehr zu demonstrieren, das Volk hat gesprochen, bleibt bitte endlich zu Hause! Wer in dieser Art Ruhe in Stuttgart herstellen will, ist kein geeigneter OB!

Und was macht das Volk in der Schwabenmetropole? Es geht nun schon bald von den Medien weitgehend ignoriert zum 120. Mal zu Tausenden montags auf die Straße und noch immer hat auf diese Empörung, diese Wut, diese berechtigte Kritik und diesen gelebten Bürgersinn keiner der beiden Kandidaten eine befriedigende und befriedende Antwort. So bleibt, wenn sich nicht doch noch eine ernstzunehmende Alternative auftut, die Wahl zwischen einem perfekt kommunizierten, gut verkauften Milliardengrab und einem fatalistisch-untätigen, aber kritisch begleiteten Milliardengrab.

Gibt es denn eine ernstzunehmende Alternative? Ach ja, die sogenannten Meisterbürger versuchen zumindest, bei der Suche nach einem OB-Kandidaten zu helfen. Sie surfen auf der Sympathiewelle des Protestes und werden als basisdemokratische Plattform einer neuen, bürgernahen Politik gefeiert, geboren angeblich direkt in der Ursuppe des Widerstands. Dabei nimmt diese Plattform den Aktivisten die Kraft und Kreativität, sich endlich damit auseinander zu setzen, wie die OB-Wahl am besten für ihre Ziele genutzt werden kann. Stattdessen werden erneut Hoffnungen durch ein neuartiges Demokratiespiel geweckt, dessen Regeln andere aufstellen und dessen Ausgang für alle absehbar ist. Es wird keinen Widerstands-OB geben!

Wir sollten endlich aus unseren Fehlern lernen und grundsätzlich keine fremdbestimmten Spiele mehr mitspielen, bei denen wir nur verlieren können! Unser Platz ist einzig die Straße, nicht das Rathaus; unsere Einflussmöglichkeit einzig die Drohung mit massivem Macht- und Legitimitätsverlust, nicht die politische Macht selbst! Alles andere ist Illusion!

Frohe Ostern!

Und oben bleiben!