Zwuckelmanns Meinung http://zwuckelmann.posterous.com Meine Meinung zu allem, was mich bewegt - aktuell vor allem zum Widerstand gegen Stuttgart 21 posterous.com Fri, 24 Aug 2012 02:42:00 -0700 24.8.2012 Und #S21 ist immer noch zu stoppen! http://zwuckelmann.posterous.com/2482012-und-s21-ist-doch-noch-zu-stoppen http://zwuckelmann.posterous.com/2482012-und-s21-ist-doch-noch-zu-stoppen

Noch immer "baut" die Bahn mit angezogener Handbremse. Im ehemaligen Schlossgarten wird an manchen Stellen etwas gebaggert, der Landespavillon wird aktuell abgerissen, die Grube für das Technikgebäude wächst. Das alles macht mir aber eher einen halbherzigen Eindruck und sieht eher nach Alibiveranstaltung aus, um zu zeigen, dass man schon baut. Der Punkt, an dem S21 zumindest wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll zu stoppen sein wird, ist weiterhin in weiter Ferne.

In der aktuellen einund20 spricht Richter a.D. Dieter Reicherter davon, dass Stuttgart21 juristisch nicht zu stoppen sei.

[UPDATE und Richtigstellung 27.08.2012: Herr Reicherter hat dies so nicht gesagt und wurde von der einund20 falsch wiedergegeben! Eine Richtigstellung wird es in der kommenden Ausgabe geben. Insofern trifft zumindest dieser Punkt so nicht mehr zu!]

Gestern habe ich mich mit einem Ingenieur unterhalten, der meinte, dass Stuttgart21 aus technischer Sicht nicht zu stoppen sei - ja, es gäbe gewisse Risiken, die würden aber bei Eintritt S21 nicht aufhalten. Und auch heißt es, politisch sei spätestens nach der Volksabstimmung Stuttgart21 nicht zu stoppen, schließlich wolle das Volk ja den neuen Bahnhof. Und wirtschaftlich - nun, da wird so lange gebaut werden, bis das verfügbare Geld ausgegeben ist und erst dann wird man offiziell zugeben, den Steuerzahler mit weiteren Milliarden zur Kasse bitten zu müssen.

Juristen sehen also keine juristischen Möglichkeiten, Politiker keine politischen, Ingenieure keine technischen, jeder verweist auf die anderen ... Ja, ist denn Stuttgart21 überhaupt noch zu stoppen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es möglich ist und möchte die Aussagen der Mitstreiter deshalb etwas relativieren: S21 wird nicht NUR juristisch zu stoppen sein genauso wenig wie NUR politisch oder NUR technisch oder NUR wirtschaftlich. Wenn aber eine Situation entsteht, in der mehrere Faktoren zusammenkommen, ist es durchaus möglich und realistisch, dass Stuttgart21 gestoppt wird!

Klar ist, dass es ohne den politischen Willen und ohne eine politische Entscheidung nicht geht! Solange die Politik an dem Projekt festhält, können noch so viele juristische Zweifel, technische Risiken oder Milliardeneurobeträge kursieren, diese werden das Projekt alleine nicht stoppen.

Das bedeutet aus meiner Sicht aber zweierlei:

  1. Wir müssen den Druck auf die Politik weiter aufrecht erhalten. Sobald wir klein beigeben und die Politik entlasten, besteht keine politische Notwendigkeit mehr, überhaupt an einen Ausstieg zu denken. Das heißt: Die Montagsdemos müssen unbedingt weitergehen, um Woche für Woche zu zeigen, dass die Unzufriedenheit in der Stadt weiterhin hoch ist. Wir müssen weiterhin Politiker und Minister und Verwaltungsbeamte in die Pflicht nehmen und penibel nachfragen, uns beschweren und nerven. Wir müssen weiterhin unsere Finger in die vielen Wunden von S21 legen und die Schwachpunkte, Risiken, Lügen und Widersprüche lautstark und unverdrossen benennen.
  2. Wir müssen versuchen, Situationen herzustellen bzw. zu nutzen, in denen Politiker aus dem Kreis der Projektpartner aus dem Projekt aussteigen können, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Dafür müssen sie triftige, zwingende Gründe haben, die jeder versteht und die nicht in ihrer eigenen Hand liegen. Eine derartige Möglichkeit wäre die rechtliche Überprüfung der Mischfinanzierung durch die Landesregierung gewesen. Aber auch die VA war eine derartige Möglichkeit, wäre sie denn ein bisschen anders ausgegangen. Ob sich bei der aktuellen Landesregierung nochmals eine derartige Möglichkeit ergibt und ob die Landesregierung bzw. deren Grüner Teil überhaupt gewillt wäre, eine sich bietende Möglichkeit zu ergreifen, wage ich zu bezweifeln - eine Erkenntis, die mich immer und immer wieder tief enttäuscht.

Wir können, nein wir müssen, auch wenn es viel Kraft kostet, dennoch immer wieder aufs Neue versuchen, Situationen, die einen Ausstieg überhaupt erst ermöglichen, herzustellen. In meinen Augen bietet sich die nächste realistische Möglichkeit, S21 endlich zu begraben, in der OB-Wahl. Wenn es gelänge, einen bekennenden S21-Gegner auf den OB-Sessel zu hieven und dieser zum Beispiel allein die Verträge zu S21 und deren Zustandekommen juristisch prüfen ließe, könnte S21 wahrscheinlich gestoppt werden. Und hier bleibt als einzige einigermaßen realistische Möglichkeit nur Hannes Rockenbauch. Er ist für mich in Sachen S21 ein erneuter Strohhalm (ja, wie damals Kretschmann!), an den ich mich klammere - auch mit der Gefahr, erneut viel Kraft und Energie einzusetzen und ihn dann vielleicht doch entweder in der Wahl scheitern oder unter dem enormen Druck der Lobbyisten und anderer Projektpartner einknicken zu sehen. Beides ist möglich und wäre natürlich einmal mehr eine große Enttäuschung. Aber wenn wir es nicht erneut versuchen, was bleibt uns dann? Wann bietet sich eine nächste Chance?

Deshalb wähle ich Hannes!

Oben bleiben!

 

 

P.S. Und wenn Hannes im zweiten Wahlgang nicht mehr antreten sollte, werde ich ganz sicher kein kleineres Übel wählen, und verkaufe sich der Fritze noch so grün und alternativ, sondern werde meine Stimme der Initiative "Gläserne Urne - Mitmachen ohne mitzuspielen" geben!

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Mon, 02 Jul 2012 21:33:00 -0700 3.7.2012 Die "Superwaffe" des postdemokratischen Staates #s21 http://zwuckelmann.posterous.com/372012-die-superwaffe-des-postdemokratischen http://zwuckelmann.posterous.com/372012-die-superwaffe-des-postdemokratischen

Der Artikel "Demokratie kokettiert mit der eigenen Unvollkommenheit" von Georg Seeßlen und Markus Metz in der aktuellen Ausgabe der einund20 versteckt einige für unsere Bürgerbewegung wichtige, richtige und bemerkenswerte Aussagen. Der Text selbst ist insgesamt eher schwer verständlich, etwas ungelenk und scheinbar unfertig. Und leider verpassen es die Autoren, die für das Verständnis des Textes notwendigen gesellschaftstheoretischen Thesen von Colin Crouch ("Postdemokratie", "Das befremdliche Überlegen des Neoliberalismus") zu beschreiben, ohne die dieser Text etwas in der Luft hängt. Colin Crouch analysiert, dass wir uns in den westlichen Gesellschaften in einer "Postdemokratie" befinden. Eine Postdemokratie zeichnet aus, dass durch einen zu schrankenlosen Markt und extrem einflussreiche Lobbys demokratische Verfahren ausgehöhlt werden und Politiker nicht mehr primär danach handeln, was für den Bürger am besten ist, sondern danach, welche Lobby am lautesten brüllt, am meisten verspricht oder gar am meisten zahlt. Der Bürger darf zwar noch alle paar Jahre wählen, aber auch Wahlen und Abstimmungen werden über Wahlspenden massiv von Wirtschaftsinteressen beeinflusst, so dass die Demokratie mehr und mehr den oberflächlichen Regeln des reinen neoliberal geprägten Marketing folgt und zur reinen Makulatur verkommt. (Diese Mechanismen lassen sich wunderbar am Volksentscheid zum Ausstiegsgesetz studieren, aber auch ganz aktuell daran, dass die Bahn wegen selbstverschuldeter zeitlicher Verzögerungen und drohender Mehrkosten das Eisenbahnbundesamt, das Regierungspräsidium und Politiker unter Druck setzt.)

Die Autoren beschreiben, wie sich in einer solchen Gesellschaft der Kampf um Demokratie und Mitbestimmung in Formen des Protests und zivilen Ungehorsams artikulieren kann - und wie der Staat darauf reagiert. "Der postdemokratische Staat tendiert dazu, sein Machtmonopol zu missbrauchen. Nicht trotzdem, sondern gerade deshalb ist die Gewaltfreiheit des zivilen Ungehorsams ein höchstes Gut. (...) Bürgerinnen und Bürger, die schon einmal Opfer von Polizeieinsätzen bei friedlichen Demonstrationen waren, die in die Mühlen der Überwachung gerieten; (...) Bürgerinnen und Bürger, die bemerken mussten, dass Recht auch eine Frage der Anwaltskosten ist, die sich die einen leisten können und die anderen nicht (...) wissen nur zu gut: Der gewaltfreie Widerstand trifft auf einen Gegner, der seinerseits weder Mühen noch Ideen in Gewaltfreiheit investiert, sondern im Gegenteil Strategien der gezielten Gewalteskalation benutzt: Der Verbund von staatlicher Gewalt, bürokratischer Drangsalierung, ökonomischer Austrocknung und medialer Denunziation ist die Superwaffe der Postdemokratie gegen ihre erklärten - und erklärt demokratischen! - Gegner."

Die Autoren zeigen damit recht genau die Situation auf, in der sich der Protest gegen Stuttgart21 befindet, denn auch der Protest gegen Stuttgart21 - und hier liegt die Verbindung zu anderen Bewegungen wie Occupy - ist eine Bewegung gegen die postdemokratischen Mechanismen in unserer heutigen Gesellschaft! Und sie analysieren sehr treffend die massiven Reaktionen des Staates, mit denen wir tagtäglich in Konfrontation mit der Polizei, vor Gericht oder in den Medien zu kämpfen haben. Es handelt sich um die "Superwaffe" der Postdemokratie!

Als motivierendes Fazit dieses Textes lässt sich feststellen: "Der historische Augenblick, in dem wir uns wohl derzeit befinden, ist jener, in der ziviler Ungehorsam aufhört, ein moralisches Recht zu sein. Er beginnt, zur Pflicht für jeden denkenden, fühlenden und handelnden Menschen zu werden."

Konkret: Bei aller berechtigten Kritik am Thema der gestrigen Montagsdemo und der Unflexibilität des Aktionsbündnis hat die Aktion danach im Bahnhof, wo sich viele Gegner spontan auf Gleis 15/16 versammelten, einmal wieder schön gezeigt, wie wirkungsvoll friedlicher ziviler Ungehorsam ist und wie hilflos der Staat darauf reagiert: es bleibt ihm offenbar nur der massive Polizeieinsatz mit gezielten Drohungen einzelnen Aktivisten gegenüber und einschüchternden Maßnahmen. Hätte die Polizei sich im Hintergrund gehalten, die meisten Aktivisten wären nach einer Stunde nach Hause gegangen. Nachdem die Polizei aber unbedingt den Bahnsteig räumen wollte, reagierten viele Demonstranten mit der einfachen, trotzigen Logik des "Jetzt erst recht!" Die Polizei räumte den Bahnsteig, sorgte dafür, dass sich die Demonstranten schließlich in der Bahnhofshalle befanden, sperrte die Zugänge zu den Bahnsteigen ab, machte insgesamt großen Aufruhr und zog nach zwei Stunden unter großem Applaus der Demonstranten wieder ab. Was an der Situation am Ende besser gewesen sein soll als an der Situation am Anfang, außer dass der Staat einmal wieder seine Superwaffe mit massivem Polizeiaufgebot, gezielten Drohungen und ständiger und vielfacher Videoüberwachung in Stellung brachte, bleibt jedem normal denkenden, demokratischen Menschen verborgen. Und so sorgte vor allem die Polizei gestern im Bahnhof für Störungen und Verärgerungen von unbeteiligten Passanten, die durch unsinnige Polizeiketten weite Umwege in Kauf nehmen mussten. Die Superwaffe ist eben wirkungslos gegen friedlichen Protest und stellt die Hilflosigkeit des Staates ein ums andere mal und für jeden sichtbar bloß.

Die Medien werden darüber wie üblich schweigen - es ist ja auch nicht von Belang, wenn zum 129. Mal Tausende Bürger in Stuttgart auf die Straße gehen. Der SWR hat gestern in seinen Fernsehnachrichten betont, dass er ja schon lange nicht mehr zu S21 berichtet hätte, dass sie aber nun nicht anders könnten ... die Anmoderation war absolut entlarvend für die Haltung der Medien: nicht der Nachrichtenwert steht im Mittelpunkt, sondern politische Einflussnahme und postdemokratische Leitlinien! Nur, wenn es gar nicht mehr anders geht, wird über S21 und den Protest berichtet.

Wir kommen wieder! Und wieder! Und wieder!

Oben bleiben!

 

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Thu, 17 May 2012 22:51:00 -0700 18.5.2012 Kritische Medien? Fehlanzeige! #blockupy #occupy #s21 http://zwuckelmann.posterous.com/1852012-kritische-medien-fehlanzeige-blockupy http://zwuckelmann.posterous.com/1852012-kritische-medien-fehlanzeige-blockupy

Dieser Tage kann man sich nur einmal mehr wundern über die Medien in Deutschland! Nahezu kritiklos wurden die umfassenden Verbote der Blockupy-Veranstaltungen hingenommen, als wäre dieser Umgang mit Grundrechten ganz selbstverständlich und nichts, was man in Frage stellen müsse. Es wurde nicht danach gefragt, ob die Verbotswut der Frankfurter Behörden angemessen sei, es wurde nicht hinterfragt, wie realistisch das Krawallszenario ist, das als Begründung für die Verbote herhalten musste, es wurde nicht gefragt, warum so viele Leute nach Frankfurt kommen und demonstrieren möchten. Zahn- und kraftlos war die Berichterstattung bei diesem so wichtigen Thema - wenn überhaupt berichtet wurde! Neben den Räumungen der illegalen Veranstaltungen in Frankfurt wurden gestern auch mehrere Busse mit Demonstranten auf der Autobahn angehalten, es wurden präventiv Personalien aufgenommen und den Mitreisenden wurden Aufenthaltsverbote für die Frankfurter Innenstadt ausgesprochen. Die Busse wurden zur Rückkehr nach Berlin gezwungen. Auch das ist vielen Medien keine Erwähnung wert.

Zwar kann man heute in einigen Zeitungen über die Situation in Frankfurt lesen, teilweise wird nun endlich sogar im Fernsehen berichtet, aber auch hier sehr zahm und unkritisch. Das ZDF zieht in seinem Bericht das Fazit, dass es sein könnte, dass die Frankfurter Behörden es etwas übertrieben hätten. In Spiegel Online wird darüber berichtet, dass die Polizei stundenlang die Proteste "tolerierte", da diese ja verboten seien. Warum wird nicht gefragt, ob die Bürger die Beschneidung ihrer Grundrechte in diesem Ausmaß überhaupt tolerieren müssen?

Warum schreien die Medien (mit löblicher Ausnahme der taz) nicht auf, wenn der Staat elementare bürgerliche Grundrechte aushebelt? Warum geht kein Druck von den etablierten Medien aus auf die Behörden, die in Frankfurt ganz offensichtlich viel zu weit gehen? Sehen die Medienmacher nicht, dass es vom Verbot von Demonstrationen zum Verbot von Berichterstattungen und der Einschränkung der Pressefreiheit nur ein kleiner Schritt ist?

Dass in Stuttgart die Medien mit ganz wenigen Ausnahmen mit dem Regierungs- und Machtstrom mitschwimmen, erfahren wir nun schon seit Jahren schmerzhaft. In den Online-Seiten des SWR, der StZ und der StN wird Frankfurt im übrigen auch nahezu totgeschwiegen. Dass aber auch renommierte überregionale Blätter und Sender ihrer ureigensten Aufgabe, nämlich kritische Aufklärung zu betreiben, so wenig nachkommen, erschreckt! Indirekt stehen auch genau diese Medien im Fokus der Occupy-Proteste, denn viele Entwicklungen, die Occupy anprangert, wären vielleicht gar nicht so weit gediehen, hätten wir mutigere, entschiedenere und ehrlichere Medien.

Oben bleiben!

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Wed, 28 Mar 2012 00:19:00 -0700 28.03.2012 Die Stuttgarter brauchen kritische Medien wie Kontext und 21einundzwanzig #s21 #AnStifter http://zwuckelmann.posterous.com/28032012-die-stuttgarter-brauchen-kritische-m http://zwuckelmann.posterous.com/28032012-die-stuttgarter-brauchen-kritische-m

Der Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, Joachim Dorfs, sagte vor wenigen Jahren sinngemäß, dass Stuttgart21 nicht gegen die Stuttgarter Zeitung zu verwirklichen sei. Und Recht hat er! Sowohl die Realisierung von S21 als auch ein Ausstieg aus S21 ist wohl nicht oder nur äußerst schwer gegen die Stuttgarter Zeitung durchzusetzen. Diese Behauptung zeugt von einem gesunden Selbstvertrauen der vierten Macht im Ländle. Und es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden ... unter der Voraussetzung, dass die Zeitung ihrem journalistischen Anspruch an Wahrheit, Ehrlichkeit und Unabhängigkeit treu bleibt.

Daran kann man jedoch berechtigte Zweifel haben - weshalb die Aussage von Herrn Dorfs wie eine Drohung klingt, dass er, der Chefredakteur, die Macht besitzt, über Wohl und Wehe von S21 (und natürlich nicht nur hierüber!) zu richten - unabhängig allen journalistischen Anspruchs.

Wären die Stuttgarter Medien ihrem Auftrag zur unbedingten wahrheitsverpflichteten Berichterstattung nachgekommen und hätten konsequent offene Fragen im Zusammenhang mit Stuttgart21 verfolgt, Stuttgart21 wäre nie soweit gediehen! Doch statt lustvoll und selbstbewusst den Finger der kritischen Presse in die vielen Wunden eines vermurksten Großprojektes zu legen, berichten diese Medien nahezu ausschließlich positiv und zahnlos über dieses Projekt und schweigen ansonsten mit wenigen folgenlosen Ausnahmen zu berechtigten Kritikpunkten. Dieses in 58 Jahren eingeübte Verhalten der Anbiederung an die Mächtigen, ja das aktive Mitverfilzen politischer, wirtschaftlicher und medialer Strukturen führt dazu, dass den Bürgern Stuttgarts und Baden-Württembergs ein Großprojekt aufgezwungen wurde, für dass sie noch viele Male und lange Jahre tief in die Tasche werden greifen müssen. Die etablierten Stuttgarter Medien tragen daran eine nicht ganz unerhebliche Mitschuld!

 

Der unausgewogene, ausgedörrte Stuttgarter Presseboden und der breite Protest gegen Stuttgart21 brachte in den vergangenen Jahren das ein oder andere schüchterne Zeitungs-Pflänzelein hervor, dass trotzig beweisen wollte, dass es überlebensfähig ist und dass es Stuttgarter gibt, die sich an ihr erfreuen und sie hin und wieder mit ein bisschen Wasser versorgen. Zwei dieser Zeitungen, so unterschiedlich in ihrer Aufmachung und Ausrichtung, sind sich gleichzeitig doch sehr ähnlich in ihrem Anspruch, guten, unabhängigen, der Wahrheit verpflichteten Journalismus zu bieten. Beide haben Anlaufschwierigkeiten, suchen verzweifelt nach Abonnenten, nach Spendern und nach Formen, wie ihr Überleben gesichert werden könnte. Beide haben sich gemacht, bilden ein breites Themenspektrum ab und sind beide einfach immer wieder sehr, sehr lesenswert. Dabei schreiben sie eben nicht gefällig und handeln auch in einer Art und Weise, an der man sich durchaus (auch als wohlwollender Abonnent!) heftig reiben kann (Stichwort eingebettete Journalisten!)

Da es bei beiden Zeitungen nicht zum Besten steht, kann ich Peter Grohmanns Aufruf nur unterstützen, dass beide Zeitungen einmal darüber nachdenken sollten, ihre Kräfte zu bündeln, um aus zwei vielleicht nicht überlebensfähigen Medien ein starkes Medium zu machen, das einen echten aufklärerischen Kontrapunkt zur etablierten Stuttgarter Medienlandschaft setzt.

Deshalb gilt gerade für Kontext und 21einundzwanzig: gemeinsam oben bleiben!!!

 

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Ein offenes Wort an die Herausgeber und Mitarbeitenden der Zeitungen Kontext und 21einundzwanzig

Liebe Freunde und Mitstreiterinnen, die Presselandschaft schrumpft, aber Stuttgart leistet sich gleich zwei alternative, unabhängige Medien: die 21einundzwanzig und Kontext. Beide Publikationen sprechen uns, mehr oder weniger, aus dem Herzen, wir brauchen faktenreichen, unabhängigen Journalismus. Wir, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, der Region, waren es, die Abonnenten und Leserinnen, die gemeinsam mit den Herausgebern und Redaktionen und der TAZ, durch viel ehrenamtliche Arbeit, Beiträge und Spenden diese beiden Zeitungen möglich gemacht haben. Jetzt, so hören wir, braucht es eine neue und gewaltige Anstrengung, um das Überleben beider Zeitungen zu sichern. Ob das gelingt, ist ungewiß. Es kann gelingen, wenn Sie sich zu einer neuen, gemeinsamen Zeitung zusammentun!

Schließt Euch zusammen! Schafft für uns, die Menschen in der Stadt, im Land, ein Printmedium auch fürs Internet, eine gemeinsame Zeitung, die die bisherigen Qualitäten, Ideen und Menschen zusammenführt! Wartet nicht.

Peter Grohmann

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Mon, 12 Mar 2012 02:29:00 -0700 12.3.2012 #s21 Schmierenjournalismus vom Feinsten #vuck21 http://zwuckelmann.posterous.com/1232012-s21-schmierenjournalismus-vom-feinste http://zwuckelmann.posterous.com/1232012-s21-schmierenjournalismus-vom-feinste

Darauf hat die Welt gewartet! Ein neues Stück billiger Schmierenjournalismus ganz im Zeichen der ewiggestrigen Befürworter von Stuttgart21. Auf Twitter wird von der Stuttgarter Zeitung verbreitet, dass der Widerstand bröckele, und es wird auf einen Artikel verwiesen, der "Protest im Hamsterrad" titelt. Wieder wird versucht, vergleichsweise platt und wenig differenziert den Widerstand kleinzureden. Das ist so billig und durchschaubar und gleichzeitig lächerlich, dass es schon fast physisch weh tut!

Beim Lesen kann ich mich erneut des Eindrucks nicht verwehren, dass sich hier Redakteure der Lokalzeitung vor einer Woche zum ersten Mal auf eine Montagsdemonstration gegen Stuttgart21 verlaufen haben. Wenn nicht, muss man sich fragen, wann sie das letzte Mal dort waren, wenn sie schreiben: "Davon abgesehen hat sich einiges verändert, seit zu den Hochzeiten bis zu hunderttausend Menschen durch die Innenstadt zogen, um gegen Stuttgart 21 zu protestieren. Mehr als drei Monate nach dem Volksentscheid ist vor dem Bahnhof ein vergleichsweise kleines Häufchen von Demonstranten übrig geblieben, für die der wöchentliche Montagsaufzug zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden ist." Denn die Hochzeit war im Hebst 2010, also vor eineinhalb Jahren, und heute wird festgestellt, dass im Vergleich dazu ein "kleines Häufchen" übriggeblieben sei. Wo waren die Redakteure in der Zwischenzeit? Richtig, nicht vor Ort! Und warum wird derart abfällig über bürgschaftliches Engagement geschrieben? Dass heute nun die 115. Montagsdemonstration stattfindet, die noch immer Woche für Woche rund 2.000 Menschen auf die Straße bringt, sollte keine Zweifel an der Vernunft der Bürger, die sich hier engagieren, schüren, sondern im Gegenteil eigentlich zu Fragen ermuntern, warum es für so viele Menschen noch immer so viel Grund gibt, auf die Straße zu gehen! Glauben Sie mir, liebe StZ, ich wüsste mit meinen Montag Abenden besseres anzufangen, als bei Wind und Wetter auf der Straße zu stehen! Und bitte schaut Euch die zahlreichen Fotos der letzten Montagsdemo an und zählt einfach einmal die Köpfe! Die von der Polizei genannten 600 Demonstranten, die Ihr zitiert, sind so offensichtlich politisch motiviert, das solltet selbst Ihr erkennen!!

Dass die Gedächtnisse der Redakteure nicht die besten sind, merkt man gleich darauf an folgender Äußerung: "Längst werden nicht mehr nur zum Thema Stuttgart 21 Bürgerbriefe verteilt. Auch AKW-Gegner, Friedensaktivisten, Anbieter von Notstromaggregaten und Initiativen wie das Forum Stadtwerke 2012 werben für ihre Interessen. Zwischen den unterschiedlichsten Transparenten und Flaggen weht die rote Fahne der DKP. Auf die Pappschilder sind Sätze gemalt wie „Geißler, Sie Judas!“ oder „Stuttgart grüßt Kairo“." War das jemals anders? Die Montagsdemonstrationen waren nie eine thematisch abgeschottete Veranstaltung, es wurde natürlich immer auch auf andere Mißstände aufmerksam gemacht - und natürlich schwimmen im Kielwasser auch Vereinigungen, deren Ziele man nicht gutheißen muss. Das, liebe StZ, war aber niemals anders!!

Dann werden Conradi und Stocker bemüht, die sich genauso kritisch mit der Bürgerbewegung auseinandersetzen, wie wohl jeder, der sich hier engagiert. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Wir diskutieren und diskutierten immer schon intern, was die richtige Linie ist, was die richtige Form des Protests, wie wir uns organisieren sollen etc.pp. Worüber die StZ leider überhaupt kein Wort verliert, ist, dass es genau das Engagement der Parteien war, die die Bürgerbewegung in eine so schwierige Lage gebracht hat, denn nicht zuletzt waren es die im Bündnis engagierten Parteien und Parteigänger, die sich für die Schlichtung, für den Stresstest, für die Volksabstimmung ausgesprochen haben - und die gleichzeitig immer darauf geschaut haben, dass das Bild des Protests nach draußen "sympathisch" und "anständig" wirkt. Mir und vielen anderen geht es um Protest! Und da ist es mir egal, wie ihn andere Bürger aufnehmen, ob er "sympathisch" oder "anständig" wirkt. Ich nehme mein Recht war, zu demonstrieren und zu protestieren, ob auf der Schillerstraße oder auf dem Marktplatz! Was an diesen Demos und den Kundgebungen "derb und laut" sein soll, erschließt sich mir nicht!

"Die Bäume sind gefällt, doch die Parkschützer halten beharrlich an den Montagsdemos, Kundgebungen und Trauermärschen fest. Sie kämpfen auch gegen den Bedeutungsverlust. Das Aktionsbündnis gegen den Tiefbahnhof steht vor ähnlichen Problemen: So schaffte es Hannes Rockenbauch zu besten Zeiten regelmäßig bis in die „Tagesschau“ und machte sich mit spektakulären Besetzungsaktionen am Bahnhof als „linker Flügelstürmer“ einen Namen." Was bezweckt die StZ nun mit diesem Absatz? Der erste Satz klingt so, als müssten oder sollten wir jetzt auffhören, zu demonstrieren, wo die Bäume gefällt sind! Das hätten sie gerne! Und dass Rockenbauch regelmäßig in der Tagesschau gewesen sei, ist nun auch schon viele, viele Monate her und war auch nur im Nachklang zum 30.09. so. Hier wird ein Bild vermittelt, das so einfach nicht stimmt.

Auch an der Samstagsdemo war die StZ offensichtlich nicht vor Ort. Wie sonst sind so faktisch falsche Sätze zu erklären wie: "Das bekamen am Samstag erneut die Wochenendeinkäufer in der Innenstadt zu spüren. Polizisten riegelten die Willy-Brandt-Straße ab, während ein Trauerzug der Parkschützer zum Planetarium zog." Die Polizei hat die Willi-Brandt-Straße nicht abgesperrt, der Zug lief auf dem Seitenstreifen entlang, der Verkehr konnte relativ ungehindert daran vorbei fließen. Ganz im Gegenteil musste man sich als Demonstrant wundern, wie die Polizei so viele Menschen direkt neben einer so vielbefahrenen Straße laufen lassen konnte! Das war nicht ganz ungefährlich!

Fazit: Liebe StZ, warum versucht Ihr noch immer ein ums andere Mal die Bürgerbewegung gegen S21 zu diskreditieren und klein zu reden? Aus vielen Eurer Äußerungen geht hervor, dass Ihr eben nicht vor Ort gewesen seid, was man darüber hinaus leicht daran erkennt, dass Ihr häufig kritiklos dpa-Meldungen von Ereignissen vor Eurer Haustür übernehmt. Der Widerstand, die Bürgerbewegung gegen S21 lebt! Das ist die gute Nachricht! Dass wir uns immer wieder nach Rückschlägen neu erfinden müssen, ist doch eine Selbstverständlichkeit und schon häufiger passiert! Und dass es immer wieder zu großen Diskussionen um die richtige Richtung kommt, ist doch nun auch nichts Verdammenswürdiges! Ganz im Gegenteil zeigt sich hier, dass wir so lebendig wie eh und je sind. Und ich bin mir sicher, dass wir uns neu erfinden und weitere neue, kreative Formen des Protests finden werden. Grund zum Protest haben wir ja genug, wie Ihr, wenn Ihr denn nur wolltet, auch einmal berichten könntet. Aber dazu ist der Filz, in den Ihr fest eingewoben seid, wohl einfach zu dicht und schwarz. Schade! Lieber redet Ihr uns klein und leutet mal wieder unser Totenglöckchen.

Als Alternative bleiben die Kontext:Wochenzeitung und die Einund20, beides hervorragende Blätter, an denen sich mancher Redakteur und Journalist der StZ und StN eine Scheibe abschneiden könnte.

Oben bleiben!

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