Zwuckelmanns Meinung http://zwuckelmann.posterous.com Meine Meinung zu allem, was mich bewegt - aktuell vor allem zum Widerstand gegen Stuttgart 21 posterous.com Sun, 12 Feb 2012 23:48:00 -0800 13.02.2012 #s21 Die Zeit der Parkschützer ist gekommen! #cams21 #s9000 http://zwuckelmann.posterous.com/13022012-s21-die-zeit-der-parkschutzer-ist-ge http://zwuckelmann.posterous.com/13022012-s21-die-zeit-der-parkschutzer-ist-ge

Seit langem nun bin ich mit vielen anderen Menschen "Parkschützer", wir haben uns auf der Internetseite registriert, haben eine Stufe angegeben, wie weit wir bereit sind zu gehen, wenn es mit dem Park ernst wird. Wir haben dort monate- und jahrelang diskutiert, haben Aktionen geplant, uns koordiniert, haben demonstriert, blockiert, haben an Veranstaltungen teilgenommen, haben Leserbriefe geschrieben und haben einfach getan, zu was wir in der Lage waren. Doch erst jetzt zeigt sich, wer ein wahrhaftiger Parkschützer ist! In den kommenden Tagen wird sich erweisen, wie viele Menschen bereit sind, sich wirklich für ihren Schlossgarten, für ihre Bäume einzusetzen, friedlich, aber bestimmt.

De facto hat sich an der Situation trotz "Schlichtung", "Stresstest" und "Volksabstimmung" nichts geändert. Die Bahn setzt den "Schlichterspruch" Heiner Geißlers nicht um, obwohl sich alle (sogar der Landtag) darauf verständigt hatten; der "Stresstest" war offenkundig geschönt und wurde bewiesenermaßen zurecht definiert; die "Volksabstimmung" befand die gesamte Landesbevölkerung für mündig, über ein rein regionales Immobilienprojekt abzustimmen (denn um die Neubaustrecke ging es ja gar nicht!) und wurde mit offenkundigen Lügen bestritten (1,5 Mrd. Ausstiegskosten etc.) Es gibt also keinen Grund, nicht auch weiterhin empört zu sein und sich aktiv gegen dieses unsägliche Projekt, das Stuttgart zerstören und die Stadt und das Land auf Jahrzehnte finanziell belasten wird, einzusetzen.

Ich habe es schon oft beschrieben, wie ich gedenke, mich zu verhalten. Ich werde mich, wenn die Polizei in den Park kommt, um ihn zu räumen, als Baumpate an meinen Patenbaum setzen und werde dort ausharren, bis die Polizei kommt und mich auffordert, zu gehen. Vielleicht werde ich mich auch zum ersten Mal wegtragen lassen. Die Bäume und der Schlossgarten sind es mir Wert! Allein die Idee, es könnten Hunderte, vielleicht sogar Tausende Menschen sein, die sich friedlich hinsetzen, an viele Bäume, dezentral, überall im Schlossgarten, macht mir Mut! Das wäre ein starkes Zeichen! Setzt Euch unbedingt hin, denn wer sitzt, ist friedlich, ist ein Hinderniss, kann nicht weggedrängt werden! Nur wenn wir sitzen, sind wir stark! Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Polizei den Schlossgarten geräumt haben wird, aber wenn sie Tausend entschlossener Menschen wegtragen oder wegführen müssen, dauert es eine ziemlich lange Weile. Einfach so ihnen den Schlossgarten zu überlassen, werde ich nicht können, dafür bin ich zu stark emotional an den Park, an die Bäume gebunden.

Wahrscheinlich ist (und sie hat es ja auch bereits angekündigt), dass die Polizei uns wieder aushungern lassen wird, dass sie warten wird, bis immer mehr Menschen den Schlossgarten freiwillig verlassen, weil es kalt wird, vielleicht auch nass, weil wir müde sein werden, weil wir Hunger und Durst haben werden. Sie wird die Räumung wie die Male zuvor inszenieren, als wäre es ein Volksfest, mit großen beleuchteten Ausgangsschildern, mit Laufschriften auf den Polizeibussen, mit unpassend launigen Lautsprecherdurchsagen, mit gelb bewesteten Polizisten, die sich Anti-Konflikt-Team nennen und sich am liebsten mit ihresgleichen unterhalten, mit viel Zeit, viel geheucheltem Verständnis - zumindest solange die Presse vor Ort ist. Angekündigt ist bereits, dass die Polizei Helme tragen wird, wir werden also wieder Ketten schwerbewaffneter, hochgerüsteter Polizisten gegenüberstehen, bei denen man sich immer nur ungläubig fragen kann, in welches Bürgerkriegsgebiet man geraten ist. Wir werden ihnen sitzend und friedlich begegnen und sie in all ihrer Lächerlichkeit bloßstellen! Wir geben ihnen keinen Grund für diesen martialischen Auftritt!

Dem Aushungern werde ich vorbeugen: ich werde drei, vier Hosen übereinander anziehen. Wozu gibt es wärmende Skiunterwäsche! Ich werde vier, fünf Pullover anziehen, ich werde eine große Thermoskanne Tee mitnehmen, werde mir Brote schmieren und Müsli- und Schokoriegel mitnehmen. Auch werde ich eine Isomatte und ein Isolierkissen mitnehmen. Zusätzlich habe ich auch eine Rettungsdecke besorgt, die silber-golden schimmert und sehr gut wärmen soll. Klar, auch Mütze, Schal, Handschuhe, auch Wärmepads für die Wanderschuhe liegen bereit. Mein Personalausweis ist auch bereits im Rucksack. Ich habe fest vor, auszuharren, so lange wie möglich bei meinem Baum zu bleiben, ihn zu schützen - das habe ich als Baumpate immerhin auch gelobt. Und ich wünsche mir so sehr, dass wir ganz, ganz viele sein werden! Denn wenn wir nicht jetzt zeigen, warum wir Parkschützer geworden sind, wann dann? Wenn nicht jetzt, dann ist es für vieles zu spät!

Deshalb bereitet Euch gut vor! Aktuell sieht es so aus, dass es Mittwoch früh losgehen wird, vielleicht schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Nehmt Euch Urlaub! Feiert Überstunden ab!. Wir müssen früh dort sein, denn als erstes wird die Polizei die Zugänge zum Schlossgarten dicht machen, was jedoch wesentlich schwieriger sein wird als die Straße am Schlossgarten vor dem Südflügel. Deshalb werden wir wahrscheinlich auch ein wenig mehr Zeit haben, in den Schlossgarten zu kommen. Aber eben nur vielleicht und auch nur ein wenig. Die polizeiliche Übermacht wird groß sein - was aber gerade kein Grund ist, Angst zu haben oder ohnmächtig nichts zu tun! Informiert Euch und bereitet Euch vor! (http://www.bei-abriss-aufstand.de) Kommt in den Park!

Gestern habe ich von Mittags bis zur Dunkelheit im Park verbracht, habe mal wieder Brunos Baumführung mitgemacht, habe mit Andrea eine lehrreiche geschichtliche Führung durch den Park begleitet, habe viele Gespräche geführt, habe die so sehr schönen, prächtigen uralten Bäume gesehen, die Jahrhunderte und so viel Glück gebraucht haben, um heute ihre mächtigen Kronen in den stahlblauen Winterhimmel recken zu können - und wusste wieder ganz sicher, um was es hier geht, warum ich mich so sehr engagiere und das alles tue. Es ist eine wirkliche Schande, diesen schönen, alten Teil des Parks dem Erdboden gleich zu machen, um einen 10 Meter aus dem Boden ragenden Betondeckel ("Luxembourger Platz") an seiner statt zu bauen und die Gleisflächen den Bau- und Immobilienhaien zum Fraß vor zu werfen. So viele architektonische Frevel Stuttgart schon begangen hat, es scheint einfach kein Ende zu nehmen mit den Stuttgartern, die ihre Stadt seit vielen Jahrzehnten ohne Verstand immer nur verschlimmbessern. Ich will keine autogerechte Stadt, ich will keinen Tunnelbahnhof, ich will eine bürgerfreundliche, helle Stadt - und dazu gehört der Schlossgarten, der vor einigen Jahrhunderten vom König der Stuttgarter Bevölkerung geschenkt wurde, und dazu gehört auch ein denkmalgeschützter Bahnhof mitsamt seinem einmaligen Tunnelgebirge! Es gilt, ein Erbe zu erhalten! Gerade in Stuttgart!!! Es gäbe so viele Scheußlichkeiten in Stuttgart abzureißen - warum müssen es immer und immer wieder die wenigen denkmalgeschützten Gebäude und Parkanlagen sein, die einer angeblichen Modernisierung weichen müssen?

Noch habe ich Hoffnung! Ich zähle auf jeden einzelnen Parkschützer! Wir sehen uns im Park!

Oben bleiben!

 

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Tue, 20 Dec 2011 00:23:00 -0800 20.12.2011 Ja zum Schlichterspruch, aber ... #s21 #9000 http://zwuckelmann.posterous.com/20122011-ja-zum-schlichterspruch-aber-s21-900 http://zwuckelmann.posterous.com/20122011-ja-zum-schlichterspruch-aber-s21-900

Gestern hat das Bürgerforum ohne Teilnahme irgendwelcher Bürger getagt und ist zu einem nicht sehr überraschenden Ergebnis gekommen: "Heiner Geißlers Schlichterspruch vollständig umzusetzen, wonach alle gesunden Bäume verpflanzt werden müssen, erscheint unmöglich."

Brauchte es für dieses Fazit tatsächlich eine Expertenrunde? So wie das Projekt bisher gelaufen ist und vorangetrieben wurde, war auch die gestrige Veranstaltung eine reine Farce. Und einmal mehr entpuppen sich die "Zugeständnisse" der Projektbefürworter als Lügen, die das Papier nicht wert sind, auf denen sie stehen. Denn die Befürworter haben noch vor nicht allzu langer Zeit getönt, dass sie sich natürlich an den "Schlichterspruch" von Heiner Geißler halten würden. Nun, wo es konkret wird, heißt es: zu teuer, zu umständlich, zu viele "Kolateralschäden". Wär hätte das gedacht!

Obwohl es offenbar theoretisch möglich ist, alle Bäume zu versetzen, sucht man nun nach Ausreden, warum man sich nicht an den Schlichterspruch halten könne. Die Kosten dürften hierbei eigentlich kein Argument sein, denn allen muss klar gewesen sein, dass diese, als man den Schlichterspruch akzeptierte, sehr hoch sein werden. Dass man geeignete Standorte suchen muss, war auch klar - dass nun zu wenige gefunden werden konnten, halte ich für mehr als fadenscheinig - und ist darüber hinaus natürlich nicht nachprüfbar. Das Argument, dass es hohe Kolateralschäden gäbe, verstehe ich nicht, denn die Bäume stehen auf einem Grund, der zur Baugrube wird und der direkt neben einer großen mehrspurigen Straße liegt. Wo hier "Kolateralschäden" auftreten sollen, erschließt sich mir nicht. Eine Handgranate in einem Fliegerbombenkrater hinterlässt keine Kolateralschäden! Und wenn als Argument in diesem Zusammenhang gesagt wird, dass der Park denkmalgeschützt sei, kann man sich nur an den Kopf fassen und fragen, wieso dann ein solcher Eingriff überhaupt möglich sein soll! Wie beim denkmalgeschützten Bahnhof gibt es auch beim denkmalgeschützten Park eine Ausnahmegenehmigung, die den niedrigen Status, den der Denkmalschutz in Stuttgart seit langem besitzt, einmal mehr offenbart. Und dass die Chancen, dass ein 200 Jahre alter Baum an anderer Stelle anwächst, absolut gering sind, muss auch jedem einigermaßen vernünftigen Menschen schon bei der "Schlichtung" klar gewesen sein. Schon das Sprichwort sagt nicht umsonst: alte Bäume verpflanzt man nicht! Die Parkschützer und die Gegner von Stuttgart 21 wollen ja in erster Linie gerade die besonders alten, mächtigen Bäume schützen. Wenn nun gesagt wird, dass die vielen kleinen Bäume versetzt würden, aber gerade die großen, prächtigen und besonders erhaltenswerten leider, leider gefällt werden müssten, so ist das ein Witz - und für Parkschützer letztlich nicht akzeptabel! Denn genau um diese Bäume dreht es sich!

Das dies alles nun, wenige Tage vor der seit langem geplanten Fällung, in einer "Expertenrunde" besprochen wurde, ist peinlich, absurd und vollkommen unnötig! Was sollte ein solches Gremium auch anderes hervorbringen, wo die Bäume bereits dem Untergang geweiht sind?

Alle Ideen, was mit den Bäumen nach deren Verpflanzung geschehen soll, sind aber auch nicht besser. Was soll der Unfug, für jeden alten, gefällten Baum einen anderen alten Baum irgendwo auf der Gemarkung Stuttgart besonders zu schützen? Welch Unsinn!!! Genauso wie es mehr als peinlich ist, nun die Fällung schön zu reden und "Lernorte im Wald" einzurichten, wo man die Stämme als "Lebensraum" für allerlei Tiere vermodern lassen will. Aber genau dazu war diese Veranstaltung gedacht: den Bürgern die Fällung der Bäume so schmackhaft und verdaulich wie möglich zu machen! "Wir können nicht anders, aber wir machen das beste draus!" Dabei hieße ein ernsthaftes Ja zum Schlichterspruch in letzter Konsequenz das Aus für Stuttgart21.

Wie bereits so oft kann man gar nicht genug essen, wie man ... möchte in Anbetracht dieses ewigen S21-Schmierentheaters, das uns Stuttgarter Bürgern ununterbrochen weichgespülte Basta-Politik als "Bürgerbeteiligung", rein wirtschaftlich getriebene Machtpolitik als "Demokratie" und politisch motivierte Ausnahmeregelungen und die gezielte Kriminalisierung kritischer Bürger als "Rechtsstaat" verkaufen will.

Oben bleiben!

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Thu, 21 Jul 2011 05:38:00 -0700 21.7.2011 #s21 Eine "wirtschaftlich optimale" ist keine "gute" Betriebsqualität! http://zwuckelmann.posterous.com/2172011-s21-eine-wirtschaftlich-optimale-ist http://zwuckelmann.posterous.com/2172011-s21-eine-wirtschaftlich-optimale-ist

Wie heute bekannt wurde, hat das Unternehmen SMA dem sogenannten Stresstest der Bahn testiert, dass der Bahnhof 30% mehr Züge in der Spitzenstunde in wirtschaftlich optimaler Betriebsqualität abfertigen kann als der bisherige Bahnhof. Die StN schreibt: „In der noch unveröffentlichten Untersuchung der Schweizer Verkehrsberater sma heißt es: 'Unsere Überprüfung der Simulationsergebnisse hat gezeigt, dass die geforderten 49 Ankünfte im Hauptbahnhof Stuttgart in der am meisten belasteten Stunde und mit dem in der Simulation unterstellten Fahrplan mit wirtschaftlich optimaler Betriebsqualität abgewickelt werden können.'“

Liest man den „Schlichterspruch“ Heiner Geißlers, ist darin aber gar nicht zu lesen, dass 30% mehr Leistung in einer wirtschaftlich optimalen Betriebsqualität gefordert seien, sondern, dass der neue Bahnhof 30% mehr Leistung in „guter“ Betriebsqualität liefern muss.

Mir stellt sich nun die Frage, ob eine „wirtschaftlich optimale“ Betriebsqualität tatsächlich auch eine „gute“ Betriebsqualität darstellt, so wie sie Heiner Geißler meinte und wie es jeder Bahnfahrer verstehen würde. „Wirtschaftlich optimal“ verengt das Prüfungsergebnis auf den wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Dieses Testat heißt schlichtweg nicht mehr, als dass so viele Züge wir möglich zu so geringen Kosten (sprich zu so wenig Gleisen) wie möglich durch den Bahnhof hindurchgeschleust werden. „Wirtschaftlich optimal“ sagt aber nichts darüber aus, ob die Haltezeiten für normale Bahnfahrer, Senioren, Familien ausreichend sind, ob die Anschlüsse ordentlich verknüpft und auch erreichbar sind, ob Puffer eingeplant sind etc. Hieran gibt es schon lange berechtigte Zweifel. Außerdem stellt der Stresstest nur den letzten von 7 Punkten dar, den Heiner Geißler in seinem „Schlichterspruch“ forderte – über die übrigen 6 verliert die Bahn nahezu kein Wort. Falls dies tatsächlich die Quintessenz des Testats der SMA sein sollte, werden hier einmal mehr die bahnfahrende Bevölkerung und die Freunde des Kopfbahnhofs verarscht und angelogen - und es ist nur konsequent und richtig, dass das Bündnis an der Ergebnispräsentation nicht teilnimmt!

 

OBEN BLEIBEN!

 

Update: Und hier ist das SMA-Testat: http://www.heute.de/ZDFheute/download/0,6741,7022661,00.pdf

 

Kurzerhand hat SMA "gute" Betriebsqualität als "wirtschaftlich optimale" Betriebsqualität eingestuft und nicht in "Premium". Warum wurde das nicht im Vorfeld eindeutig geklärt, was "gute" Betriebsqualität heißen soll?

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Tue, 19 Jul 2011 09:31:20 -0700 ΦΔΦ - Verschwörungstheorie oder Verschwörungspraxis? #s21 #phideltaphi http://zwuckelmann.posterous.com/verschworungstheorie-oder-verschworungspraxis http://zwuckelmann.posterous.com/verschworungstheorie-oder-verschworungspraxis

Grundsätzlich ist sicher nichts dagegen einzuwenden, ja es ist sogar nur zutiefst menschlich, wenn man seine Kontakte zu anderen Menschen in allen möglichen Lebenslagen nutzt. Der Mensch ist nun eben einfach ein soziales Wesen. Dieses - neudeutsch Networking genannte - Verhalten gibt es, seitdem es den Menschen selbst gibt. Und selbstverständlich wurde auch immer schon versucht, den Aufbau von Netzwerken zu fördern, sei es durch Vereine, durch Geheimgesellschaften, durch Parteien, durch Religionsgemeinschaften, durch Genossenschaften, durch Burschenschaften, durch Interessenverbände, ja selbst durch Unternehmen, die doch alle immer ein - mal mehr, mal weniger loses - Netzwerk von Personen darstellen, die einen bestimmten Zweck verfolgen und sich zusammen tun, um das wie auch immer gesteckte Ziel zu erreichen.

Was ist nun von einem Netzwerk zu halten, in dem sich viele gewichtige Interessengruppen der Befürworter von Stuttgart21 wiederfinden? Nun, erst einmal ist auch daran nichts auszusetzen, denn es steht ja jedem frei, sich zu vernetzen. Eigenartig wird es aber dann, wenn sich Politiker, Rechtsanwälte, Richter, Vorstände und Aufsichtsräte in einer kleinen, exklusiven Juristen-Vereinigung wiederfinden, die erst seit 2008 existiert (als Gruppe bzw. "Inn" einer großen amerikanischen "Fraternität"; eine Mitgliedschaft ist möglich, sobald man mindestens ein Semester Jura in Tübingen studiert hat) und in der ein sehr großer Teil der Mitglieder aktiv das Projekt Stuttgart 21 vorantreibt oder aber von dem Projekt direkt und nicht zu knapp profitiert! Die Liste der "Ehrenmitglieder" dieser Netzwerk-Juristen-Vereinigung (Phi Delta Phi Tübingen) liest sich wie das Who is Who der Projektbefürworter:

Gerd T. Becht (Vorstand Deutsche Bahn AG)
Dr. Hendrik Bednarz (SPD Landesvorstand)
Dr. Adrian Bingel (Kanzlei Gleiss Lutz)
Dr. Armin Brendle (LBBW)
Dr. Ulrich Denzel (Kanzlei Gleiss Lutz)
Dr. Heiner Geißler (Bundesminister a.D.)
Tanja Gönner (Ministerin a.D., Vorsitzende des Aufsichtsrats der Flughafen Stuttgart GmbH)
Dr. Lisa Käckenmeister (Kanzlei Kasper Knacke)
Dr. Stefan Kaufmann (MdB, Kreisvorsitzender der CDU Stuttgart)
Markus Ledwina (Kanzlei Gleiss Lutz)
Dr. Reinhard Löffler (Wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag)
Fabian Mayer (Stadtrat der Landeshauptstadt Stuttgart)
Dr. Fritz Oesterle (Aufsichtsrat LBBW)
Dr. Philipp D. Pichler (Kanzlei Gleiss Lutz)
Dr. Wolfgang Schuster (OB der Stadt Stuttgart, Aufsichtsrat der BW-Bank, Flughafen Stuttgart GmbH)
Dr. Felix Tausch (Richter, Staatsminiterium Ba-Wü)
Dr. Roderich C. Thümmel (Aufsichtsrat Herrenknecht AG)
Dr. Christian Walker (Abteilungsleiter Immobilienmanagement der Stadt Stuttgart)
Prof. Dr. Gerhard Wegen (Kanzlei Gleiss Lutz)
Corinna Werwigk-Hertneck (Ministerin a.D.)

Neben einigen Vertretern des Landes und Mitgliedern der ehemaligen Landesregierung ist ein Vorstand der Deutschen Bahn vertreten, ein Aufsichtsrat von Herrenknecht, Aufsichtsräte und Mitarbeiter der LBBW, der Stuttgarter Oberbürgermeister und ausgerechnet die großen Stuttgarter Rechtsanwaltskanzleien Gleiss Lutz und Kasper Knacke, die der ehemaligen Landesregierung einige Gutachten zu dem Projekt S21 lieferten. Darüber hinaus ist auch der schlichte Heiner wieder mit von der Partie. Außerdem gibt es noch den einen oder die andere Richterin auf der Liste, so dass die Verbindungen also sogar bis in die Richterstuben und Gerichtssäle reichen.

Natürlich wird Stuttgart 21 nicht der alleinige Zweck der Vernetzung in dieser "Fraternität" sein, aber es darf vermutet werden, dass die Vernetzung in dieser Vereinigung durchaus auch dazu dient oder zumindest dazu genutzt wird, Probleme, wie es sie auch bei Stuttgart 21 gibt, zu besprechen und rein informell und möglichst unbürokratisch zu beseitigen. Im Selbstverständnis dieser "Fraternität" kann man lesen, dass die "Förderung der Mitglieder" und "Networking" an vorderer Stelle stehen. Warum sollten sich die "Fratres" eines solchen Netzwerks bei ihren monatlichen Treffen nicht auch über das Wohl und Wehe von Stuttgart 21 austauschen??? Wer wollte diese naheliegende Möglichkeit verneinen?

Ich finde diese Vereinigung mehr als verdächtig, zumal sich hier Politik, Rechtsprechung und Wirtschaft auf eine Weise vernetzen, wie sie gerade für jegliche Art von Großprojekten gefährlicher nicht sein könnte. Eine derartige Vereinigung steht immer in der akuten Gefahr, statt des offiziellen, transparenten und bürokratisch-korrekten Wegs den ganz kleinen Dienstweg zu fördern.

Umso mehr gilt heute: widerständig, friedlich und oben bleiben!

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