Zwuckelmanns Meinung http://zwuckelmann.posterous.com Meine Meinung zu allem, was mich bewegt - aktuell vor allem zum Widerstand gegen Stuttgart 21 posterous.com Tue, 10 Jul 2012 00:12:00 -0700 10.7.2012 Wir lassen uns auch weiterhin nicht provozieren! #s21 http://zwuckelmann.posterous.com/1072012-wir-lassen-uns-auch-weiterhin-nicht-p http://zwuckelmann.posterous.com/1072012-wir-lassen-uns-auch-weiterhin-nicht-p

Ich habe den Eindruck, dass unsere Bürgerbewegung, unser Protest, unser Widerstand gegen Stuttgart21 inzwischen wieder an Stärke zunimmt. Immer wieder treffe ich in den letzten Tagen Personen oder höre von Personen, die sich nach der Volksabstimmung enttäuscht zurückgezogen haben und die nun doch wieder zurück auf die Straße kommen und mit uns nun doch weiter gegen den Murks kämpfen wollen. Das macht Mut!

Dieser Zulauf wird nicht von allen begrüßt. So hofften viele der Projektbefürworter, dass sich der Widerstand nach der Volksabstimmung verlaufen würde und dass endlich Ruhe herrscht und die Projektpartner in aller Ruhe und unbeobachtet ihr dilettantisches Treiben fortsetzen können. Doch diese Hoffnung hat sich nicht bewahrheitet.

Es gibt einige Hinweise darauf, dass gerade aktuell und vielleicht deswegen versucht wird, durch gezielte Provokationen und "Einladungen" erneut den Widerstand zu desavouieren, bewusst in eine Falle laufen zu lassen, um dann umso kräftiger zuschlagen zu können.

  • Morgens am Bautor des ehemaligen Nordflügels werden reihenweise Ordnungsgelder wegen Eingriffs in den Straßenverkehr verhängt. Wie gewohnt wird den Aktivisten hier abgesprochen, eine Versammlung zu sein, so dass man diese nicht auflösen muss und gleich Ordnungsgelder verhängen kann. Dabei wird relativ willkürlich vorgegangen und man kann sich inzwischen nicht mehr sicher sein, wo man stehen "darf", um nicht belangt zu werden. Dass für die Polizei die Straßenverkehrsordnung ein höheres Rechtsgut darstellt als das Recht zu Demonstrieren und seine Meinung zu äußern, lässt tief blicken und zeigt aber auch nur die Hilflosigkeit der Staatsgewalt, mit diesem langanhaltenden Widerstand umzugehen.
  • Gestern nach der Montagsdemo zog die Polizei im Schlossgarten ein massives Aufgebot an Fußtruppen, Berittenen und Zivilen zusammen und formte vollkommen unverständlich Ketten über den Fußweg und hinderte die Demonstranten daran, zur Staatgalerie oder Richtung Unterer Schlossgarten zu gehen. Begründet wurde dieser Aufmarsch damit, dass ein oder zwei Demonstranten Kabelbinder durchgeschnitten hätten, mit denen die Sichtschutzplanen am Bauzaun befestigt sind. Auf einigen Videos ist eindeutig festgehalten, wie aggressiv die Polizei gegenüber den Demonstranten vorgegangen ist - und teilweise auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurückschreckte. Dass dieses Verhalten alles andere als deeskalierend wirkt, ist jedem klar - nur: wenn man offenkundig kein Interesse an Deeskalation hat, bleibt nur der Umkehrschluss übrig, dass man es auf Eskalation anlegt oder zumindest nichts gegen eine Eskalation hat. Hier sollte die Polizei unbedingt ihr Verhalten überdenken und ändern, denn um eines klar zu stellen: Wir, die Demonstranten, haben kein Interesse an einer Eskalation, wollen als Demonstranten von der Polizei so behandelt werden, wie es sich in einem Rechtsstaat und aufgeklärten, mündigen Bürgern gegenüber gehört! Wenn die Polizei einzelne Demonstranten dabei sieht, wie sie Sachbeschädigungen begehen (ja, das Durchschneiden von Kabelbindern ist Beschädigung einer Sache im Wert von 1 Cent!), so sollte sie geübt genug sein, diese zu isolieren oder im Nachhinein zu belangen. Ein Auftritt wie gestern ist vollkommen unverhältnismäßig und für mich komplett absurd!
  • Nachdem der Schlossgarten geräumt und die Bäume gefällt wurden, war dieses Gebiet für Monate rund um die Uhr mit mindestens fünf Wachleuten besetzt, die ununterbrochen Streife am Bauzaun liefen. Was sie genau bewachten außer Gras, Baumstümpfe und verirrte und verwirrte Eichhörnchen, blieb fraglich. Seit zwei, drei Wochen, seitdem nun die ersten Baumaschinen im Schlossgarten stehen und tiefe Löcher bohren, sind die Wachleute verschwunden. Selbst nachts, wenn die Baustelle verlassen da liegt, gibt es allem Anschein nach keine Wachleute dort. Man könnte meinen, die Projektpartner wollten damit unüberlegte Aktivisten regelrecht dazu einladen, den eingezäunten Schlossgarten zu betreten. Eine Situation wie am 20.06.2011 käme ihnen sicher sehr zupass, zumal Oberstaatsanwalt Häußler dann wieder mit aller Wucht sein bisschen Macht an den Aktivisten ausleben könnte.

Wir lassen uns durch all das nicht provozieren. Wir sehen ein ums andere Mal, dass es eben genau unsere Friedlichkeit, unsere friedlichen Widerstandsaktionen und bunten Demonstrationen sind, die sämtliche Handhabe der Polizei ins Leere laufen lassen und uns wichtige Sympathien zuspielen.

Passt auf und handelt bedacht und fallt nicht auf offensichtliche Einladungen der Projektpartner herein. Wir sollten uns bei allem, gerade bei impulsiven und spontanen Aktionen immer fragen, wem es am Ende nutzt.

Friedlich bleiben!

Widerständig bleiben!

Oben bleiben!

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Mon, 02 Jul 2012 21:33:00 -0700 3.7.2012 Die "Superwaffe" des postdemokratischen Staates #s21 http://zwuckelmann.posterous.com/372012-die-superwaffe-des-postdemokratischen http://zwuckelmann.posterous.com/372012-die-superwaffe-des-postdemokratischen

Der Artikel "Demokratie kokettiert mit der eigenen Unvollkommenheit" von Georg Seeßlen und Markus Metz in der aktuellen Ausgabe der einund20 versteckt einige für unsere Bürgerbewegung wichtige, richtige und bemerkenswerte Aussagen. Der Text selbst ist insgesamt eher schwer verständlich, etwas ungelenk und scheinbar unfertig. Und leider verpassen es die Autoren, die für das Verständnis des Textes notwendigen gesellschaftstheoretischen Thesen von Colin Crouch ("Postdemokratie", "Das befremdliche Überlegen des Neoliberalismus") zu beschreiben, ohne die dieser Text etwas in der Luft hängt. Colin Crouch analysiert, dass wir uns in den westlichen Gesellschaften in einer "Postdemokratie" befinden. Eine Postdemokratie zeichnet aus, dass durch einen zu schrankenlosen Markt und extrem einflussreiche Lobbys demokratische Verfahren ausgehöhlt werden und Politiker nicht mehr primär danach handeln, was für den Bürger am besten ist, sondern danach, welche Lobby am lautesten brüllt, am meisten verspricht oder gar am meisten zahlt. Der Bürger darf zwar noch alle paar Jahre wählen, aber auch Wahlen und Abstimmungen werden über Wahlspenden massiv von Wirtschaftsinteressen beeinflusst, so dass die Demokratie mehr und mehr den oberflächlichen Regeln des reinen neoliberal geprägten Marketing folgt und zur reinen Makulatur verkommt. (Diese Mechanismen lassen sich wunderbar am Volksentscheid zum Ausstiegsgesetz studieren, aber auch ganz aktuell daran, dass die Bahn wegen selbstverschuldeter zeitlicher Verzögerungen und drohender Mehrkosten das Eisenbahnbundesamt, das Regierungspräsidium und Politiker unter Druck setzt.)

Die Autoren beschreiben, wie sich in einer solchen Gesellschaft der Kampf um Demokratie und Mitbestimmung in Formen des Protests und zivilen Ungehorsams artikulieren kann - und wie der Staat darauf reagiert. "Der postdemokratische Staat tendiert dazu, sein Machtmonopol zu missbrauchen. Nicht trotzdem, sondern gerade deshalb ist die Gewaltfreiheit des zivilen Ungehorsams ein höchstes Gut. (...) Bürgerinnen und Bürger, die schon einmal Opfer von Polizeieinsätzen bei friedlichen Demonstrationen waren, die in die Mühlen der Überwachung gerieten; (...) Bürgerinnen und Bürger, die bemerken mussten, dass Recht auch eine Frage der Anwaltskosten ist, die sich die einen leisten können und die anderen nicht (...) wissen nur zu gut: Der gewaltfreie Widerstand trifft auf einen Gegner, der seinerseits weder Mühen noch Ideen in Gewaltfreiheit investiert, sondern im Gegenteil Strategien der gezielten Gewalteskalation benutzt: Der Verbund von staatlicher Gewalt, bürokratischer Drangsalierung, ökonomischer Austrocknung und medialer Denunziation ist die Superwaffe der Postdemokratie gegen ihre erklärten - und erklärt demokratischen! - Gegner."

Die Autoren zeigen damit recht genau die Situation auf, in der sich der Protest gegen Stuttgart21 befindet, denn auch der Protest gegen Stuttgart21 - und hier liegt die Verbindung zu anderen Bewegungen wie Occupy - ist eine Bewegung gegen die postdemokratischen Mechanismen in unserer heutigen Gesellschaft! Und sie analysieren sehr treffend die massiven Reaktionen des Staates, mit denen wir tagtäglich in Konfrontation mit der Polizei, vor Gericht oder in den Medien zu kämpfen haben. Es handelt sich um die "Superwaffe" der Postdemokratie!

Als motivierendes Fazit dieses Textes lässt sich feststellen: "Der historische Augenblick, in dem wir uns wohl derzeit befinden, ist jener, in der ziviler Ungehorsam aufhört, ein moralisches Recht zu sein. Er beginnt, zur Pflicht für jeden denkenden, fühlenden und handelnden Menschen zu werden."

Konkret: Bei aller berechtigten Kritik am Thema der gestrigen Montagsdemo und der Unflexibilität des Aktionsbündnis hat die Aktion danach im Bahnhof, wo sich viele Gegner spontan auf Gleis 15/16 versammelten, einmal wieder schön gezeigt, wie wirkungsvoll friedlicher ziviler Ungehorsam ist und wie hilflos der Staat darauf reagiert: es bleibt ihm offenbar nur der massive Polizeieinsatz mit gezielten Drohungen einzelnen Aktivisten gegenüber und einschüchternden Maßnahmen. Hätte die Polizei sich im Hintergrund gehalten, die meisten Aktivisten wären nach einer Stunde nach Hause gegangen. Nachdem die Polizei aber unbedingt den Bahnsteig räumen wollte, reagierten viele Demonstranten mit der einfachen, trotzigen Logik des "Jetzt erst recht!" Die Polizei räumte den Bahnsteig, sorgte dafür, dass sich die Demonstranten schließlich in der Bahnhofshalle befanden, sperrte die Zugänge zu den Bahnsteigen ab, machte insgesamt großen Aufruhr und zog nach zwei Stunden unter großem Applaus der Demonstranten wieder ab. Was an der Situation am Ende besser gewesen sein soll als an der Situation am Anfang, außer dass der Staat einmal wieder seine Superwaffe mit massivem Polizeiaufgebot, gezielten Drohungen und ständiger und vielfacher Videoüberwachung in Stellung brachte, bleibt jedem normal denkenden, demokratischen Menschen verborgen. Und so sorgte vor allem die Polizei gestern im Bahnhof für Störungen und Verärgerungen von unbeteiligten Passanten, die durch unsinnige Polizeiketten weite Umwege in Kauf nehmen mussten. Die Superwaffe ist eben wirkungslos gegen friedlichen Protest und stellt die Hilflosigkeit des Staates ein ums andere mal und für jeden sichtbar bloß.

Die Medien werden darüber wie üblich schweigen - es ist ja auch nicht von Belang, wenn zum 129. Mal Tausende Bürger in Stuttgart auf die Straße gehen. Der SWR hat gestern in seinen Fernsehnachrichten betont, dass er ja schon lange nicht mehr zu S21 berichtet hätte, dass sie aber nun nicht anders könnten ... die Anmoderation war absolut entlarvend für die Haltung der Medien: nicht der Nachrichtenwert steht im Mittelpunkt, sondern politische Einflussnahme und postdemokratische Leitlinien! Nur, wenn es gar nicht mehr anders geht, wird über S21 und den Protest berichtet.

Wir kommen wieder! Und wieder! Und wieder!

Oben bleiben!

 

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Thu, 05 Apr 2012 07:58:00 -0700 5.4.2012 #s21 Lernen wir endlich aus unseren Fehlern! #vuck21 http://zwuckelmann.posterous.com/542012-s21-lernen-wir-endlich-aus-unseren-feh http://zwuckelmann.posterous.com/542012-s21-lernen-wir-endlich-aus-unseren-feh

Es ist alles eine Frage der richtigen Kommunikation! So hört man es häufig, wenn mal wieder die Bürger vergessen wurden. Stuttgart21 sei -glaubt man diesen Stimmen und ganz unabhängig aller real exitsierender Mängel - vor allem falsch kommuniziert worden. Die Menschen seien dort, wo sie damals waren, kommunikativ nicht abgeholt worden und gingen deshalb auf die Straße.

So gesehen wäre OB-Kandidat Sebastian Turner ein Glück. Vielleicht nicht für die Stuttgart21-Gegner, aber doch für die Befürworter, denn die hätten endlich einen, der durch seine überragende kommunikative Expertise den Bürgern nicht nur die FAZ, sondern S21 und gleich auch die passende Versicherung, Plastikschaufel und Heizdecke für kommende kalte Tage mit verkaufen würde. Man muss nur wissen, wie und wo man die Bürger und Piraten abholen muss. Ein kluger Marketing-Kopf, der Herr Turner, aber kein geeigneter OB!

Wenn man nicht glaubt, dass alles Kommunikation ist, bleibt OB-Kandidat Fritz Kuhn als Alternative. Kuhn reduziert seine Haltung zu S21 darauf, dass er ja gerne würde, wenn er denn könnte, aber er könne ja nicht, weil das Volk nicht wolle. Das ist gelebte Demokratie! Und jetzt, liebe Bürger, gibt es nichts mehr zu demonstrieren, das Volk hat gesprochen, bleibt bitte endlich zu Hause! Wer in dieser Art Ruhe in Stuttgart herstellen will, ist kein geeigneter OB!

Und was macht das Volk in der Schwabenmetropole? Es geht nun schon bald von den Medien weitgehend ignoriert zum 120. Mal zu Tausenden montags auf die Straße und noch immer hat auf diese Empörung, diese Wut, diese berechtigte Kritik und diesen gelebten Bürgersinn keiner der beiden Kandidaten eine befriedigende und befriedende Antwort. So bleibt, wenn sich nicht doch noch eine ernstzunehmende Alternative auftut, die Wahl zwischen einem perfekt kommunizierten, gut verkauften Milliardengrab und einem fatalistisch-untätigen, aber kritisch begleiteten Milliardengrab.

Gibt es denn eine ernstzunehmende Alternative? Ach ja, die sogenannten Meisterbürger versuchen zumindest, bei der Suche nach einem OB-Kandidaten zu helfen. Sie surfen auf der Sympathiewelle des Protestes und werden als basisdemokratische Plattform einer neuen, bürgernahen Politik gefeiert, geboren angeblich direkt in der Ursuppe des Widerstands. Dabei nimmt diese Plattform den Aktivisten die Kraft und Kreativität, sich endlich damit auseinander zu setzen, wie die OB-Wahl am besten für ihre Ziele genutzt werden kann. Stattdessen werden erneut Hoffnungen durch ein neuartiges Demokratiespiel geweckt, dessen Regeln andere aufstellen und dessen Ausgang für alle absehbar ist. Es wird keinen Widerstands-OB geben!

Wir sollten endlich aus unseren Fehlern lernen und grundsätzlich keine fremdbestimmten Spiele mehr mitspielen, bei denen wir nur verlieren können! Unser Platz ist einzig die Straße, nicht das Rathaus; unsere Einflussmöglichkeit einzig die Drohung mit massivem Macht- und Legitimitätsverlust, nicht die politische Macht selbst! Alles andere ist Illusion!

Frohe Ostern!

Und oben bleiben!

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Tue, 03 Apr 2012 01:23:00 -0700 3.4.2012 #s21 Es gibt sie noch, die Montagsdemo und das Frühstück am GWM http://zwuckelmann.posterous.com/342012-s21-es-gibt-sie-noch-die-montagsdemo-u http://zwuckelmann.posterous.com/342012-s21-es-gibt-sie-noch-die-montagsdemo-u

Die 118. Montagsdemo war sehr gut besucht! Der Marktplatz war gut gefüllt, die Stimmung mit vielen kreativen Bannern und Transparenten prima! Müssen wir nun froh sein, dass die StZ immerhin neun Zeilen für die Meldung zu dieser Montagsdemo opfert? Dem SWR waren wir erst gar keine Meldung wert - die Demo am Frankfurter Flughafen wurde erwähnt, wo sich immerhin wieder 2.000 Demonstranten versammelten.

Noch immer versuchen die Medien gemeinsam mit der Politik den Protest zu Stuttgart21 wegzuschweigen, klein zu reden und in eine Schmuddelecke zu stellen. Anstatt dass den wirklich relevanten Fragen, die sich bei Stuttgart21 nahezu täglich auftun, mit langem Atem und unnachgiebig nachgegangen wird, wird uns immer und immer wieder das Recht auf Protest mit dem Hinweis auf den Ausgang der Voksabstimmung abgesprochen. Diese Einstellung ist zutiefst undemokratisch! Unser Protest hingegen kann gar nicht undemokratisch sein, denn Protest ist immer gerechtfertigt, wenn es Leute gibt, die auf die Straße gehen!

Diese Menschen gibt es auch morgens noch immer vor dem GWM. Auch heute versammelten sich 30 Gegner um 6 Uhr vor dem Bautor des GWM und demonstrierten aus voller Überzeugung gegen Stuttgart21. Ein Laster, der in die Baustelle des Südflügels einfahren wollte, wurde daran gehindert. Die Polizei griff nicht weiter ein, sondern wartete, bis sich die Demonstration gegen 9 Uhr auflöste. Auch wenn weder am GWM noch am Südflügel ernsthaft gebaut oder gearbeitet wird, ist es wichtig, am Ort des Geschehens Flagge zu zeigen und klar gegen dieses Milliardenprojekt zu protestieren.

Natürlich werden Demonstrationen und sonstige Aktionen leicht zur Routine. Das macht sie aber nicht falsch! Denn solange sich nichts ändert, bleibt die Grundlage des Protestes bestehen. Auch für die 119. Montagsdemo! Auch für das x-te Baustellen-Frühstück.

Oben bleiben!

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Tue, 06 Mar 2012 00:47:00 -0800 6.3.2012 #s21 Und schon wieder die Polizei und die #StZ ... #cams21 #vuck21 http://zwuckelmann.posterous.com/632012-s21-und-schon-wieder-die-polizei-und-d http://zwuckelmann.posterous.com/632012-s21-und-schon-wieder-die-polizei-und-d

Die Montagsdemonstrationen sind lästig! Sie sind lästig für die Bevölkerung, sie sind lästig für die Organisatoren, sie sind lästig für die Projektbefürworter, für die Autofahrer, für die Zugfahrer, sie sind lästig für die Projektgegner und für die Demonstranten und sie sind nicht zuletzt lästig für Polizei, Regierung und Projektpartner. Warum gibt es sie also noch immer? Ganz einfach: Wir haben noch immer allen Grund, gegen dieses Projekt auf die Straße zu gehen und nicht die Augen zu verschließen vor all den Ungereimtheiten, Lügen und Verstößen und nicht einfach darauf zu vertrauen, dass schon alles seinen ordentlichen Gang gehen wird. Wir können unsere offenen Augen nicht wieder verschließen und wir erwarten, dass bei diesem Projekt Recht und Gesetz gelten und nicht Filz und Schönfärberei! Zum Beispiel wurde wieder im Rahmen der Stuttgart21-Arbeiten fundamental gegen das Artenschutzgesetz verstoßen. Es wurden wieder Bäume mit dem vom Aussterben bedrohten Juchtenkäfer gefällt und die Reste einfach so in den Wald geworfen. Wieder sind Lügen, die nicht ganz belanglos für den Ausgang der Volksabstimmung sind, offenkundig geworden. Der Fehler in der Stresstestsoftware wird ignoriert und unter den Teppich gekehrt. Doch wenn nicht wir darauf aufmerksam machen, macht es niemand! Und so gehen wir weiterhin zu Tausenden jeden Montag mit gutem Recht und besten Gründen auf die Straße - auch zum 114. Mal. Und auch zum 115. Mal!

Jetzt, wo die Bäume gefällt wurden und eine riesige Brache mitten in der Stadt geschaffen wurde, die den ganzen Sommer über eine soda-Brache sein wird, wollen die Projektbefürworter endlich Ruhe vor den Demonstranten haben und weiterhin das Bild über die willfährigen Stuttgarter Medien verbreiten, dass jetzt endlich losgebaut würde und alles in trockenen Tüchern wäre (s.u.). Wie anders ist es zu erklären, dass die Polizei inzwischen zum wiederholten Mal Demonstranten auf ihrem Heimweg einkesselt und schikaniert? Wenn sich eine Demonstration von 1.000 und mehr Menschen auflöst, ist es ganz selbstverständlich, dass die Demonstranten in Gruppen zum Bahnhof laufen. Irgendwohin müssen sie ja! Und viele kommen eben mit dem ÖPNV und müssen, um nach Hause zu kommen, wieder zum Bahnhof. Das war bisher auch nie ein Problem. Die Polizei spielt aber inzwischen regelmäßig nach dem Ende der Montagsdemonstration verrückt und rennt neben den Grüppchen her, versperrt Querstraßen und versucht, die Gruppen auf ihrem Weg zum Bahnhof zu schikanieren - selbst wenn die Leute auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen laufen. Gestern wieder wurden Demonstranten wenige Meter vor dem Bahnhof angehalten und von allen Seiten eingekesselt - eine vollkommen unnötige Aktion. Eine Polizeiansage gab bekannt, dass die Demonstranten sich in kleinen Gruppen entfernen sollten - gleichzeitig wurde aber niemand aus dem Kessel herausgelassen - keine Einzelperson, keine offiziellen Pressevertreter. Auch wurden zwei Demonstranten angeblich wegen des Versoßes gegen das Versammlungsrecht mitgenommen. (http://www.cams21.de)

Liebe Polizei, wir lassen uns von Euch nicht einschüchtern! Auch wenn es Euch immer noch nicht passt, gibt es in Stuttgart auch nach den Baumfällungen weiterhin ein Demonstrations- und Versammlungsrecht. Eure Versuche, durch Kriminalisierung und Schikane, durch sehr fragwürdige Gesetzesauslegungen beim Versammlungsrecht und der Nutzung jeglicher Spielräume uns davor abzuschrecken, von diesem Grundrecht Gebrauch zu machen, ist billig und nicht akzeptabel. Inzwischen solltet Ihr wissen, dass wir uns von niemandem, wirklich von niemandem den Mund verbieten lassen und auf unseren Grundrechten bestehen! Daran ändern Eure einfältigen Aktionen gar nichts!

Nach dieser Ansprache an unsere grün-blauen Freunde jetzt gleich auch noch die Ansprache an die andere gewohnte Seite: Liebe Stuttgarter Zeitung! Ihr habt heute auf Twitter gemeldet, dass auf den S21-Baustellen schon "fleissig gebaut" würde. Der Tweet verwies auf diesen Kommentar.Da kann man sich nur wieder einmal wundern, wie Ihr es mit der Qualität und Wahrheit haltet und wo Eure Redakteure und Journalisten leben, denn gebaut wird hier doch noch gar nichts! Und eigentlich geht das sogar aus diesem Kommentar hervor. Arbeiten bei Euch auch Legasteniker, die die Artikel der eigenen Zeitung nicht lesen können, so dass dann so etwas dabei raus kommt? Einmal mehr wünschte ich mir ein wenig mehr Qualität, ein bisschen mehr Eigenrecherche, ein bisschen mehr kritischen Geist und ein bisschen weniger dpa-Meldungen über das Stuttgarter Stadtleben. Aber das bleibt wohl weiterhin ein frommer Wunsch. Und solange das so ist und Ihr weiterhin offenkundigen Mist verbreitet, werden wir auf die Straße gehen, um auf genau diesen Mist aufmerksam zu machen und der Wahrheit ans Tageslicht zu verhelfen!  Und solange die Polizei nicht auf die Einhaltung von Gesetzen und von gerichtlichen Anordnungen achtet, stehen wir weiterhin morgens vor dem GWM und demonstrieren gegen die verbotenen Arbeiten im GWM!

Ihr könnt sicher sein, dass wir auch weiterhin oben bleiben!

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Mon, 30 Jan 2012 22:59:00 -0800 31.01.2012 #s21 Wir sind viele, wir sind laut ... #cams21 #sf21 #s9000 http://zwuckelmann.posterous.com/31012012-s21-wir-sind-viele-wir-sind-laut-cam http://zwuckelmann.posterous.com/31012012-s21-wir-sind-viele-wir-sind-laut-cam

"Kaum einer protestiert" (StZ), "die Zahl hielt sich in Grenzen" (StN) und auch im SWR wurde gestern Abend von "abnehmendem Protest" gesprochen - dabei waren gestern Abend auf der Montagsdemo laut Polizei 2.300 Demonstranten anwesend. Natürlich, die Diagnose bezog sich auf den Abrissbeginn am Südflügel. Im Vergleich zum Nordflügel war der sichtbare Protest geringer, aber das ist doch kein Wunder: der Abriss des Nordflügels begann im Hochsommer und an einer gut einsehbaren und nicht komplett gesperrten Straße. Ganz im Gegensatz zum Südflügel, wo immerhin 500 Personen die gesamte Nacht bei strengen Minustemperaturen ausharrten, dann von der Polizei geräumt wurden und von den Absperrungen aus ja nicht einmal den Abrissbagger am anderen Ende des Südflügels sehen konnten. Dass deshalb vergleichsweise wenig Leute vor Ort waren, ist für mich nicht verwunderlich. Denn was sollte man machen, außer am Gitter stehen und trillern?

Umso wichtiger war es, dass gestern Abend so sehr viele Leute zur Montagsdemo kamen. Mit dem anschließenden ohrenbetäubenden Besuch im Bahnhof, dem spontanen Zug quer durch die Stadt und der Blockade des Charlottenplatzes war es eine der kraftvollsten Montagsdemonstrationen, die wir je hatten! Ein sehr starkes Zeichen! (siehe hierzu wie immer www.cams21.de) Die Wut und Empörung treibt nämlich - Volksabstimmung hin, Kleingerede her - immer noch tausende Stuttgarter auf die Straße. Und dessen sollten sich die Projektpartner gewärtig sein: Unser Protest wird nicht nachlassen! Wir sind viele und wir bleiben viele! Und wir bleiben laut und ungemütlich!

Warum die Bahn es gerade mit dem Südflügel so eilig hat, sollte jedem klar sein, der die Planungen der Bahn zum Grundwassermanagement verfolgt. Nachdem ja bereits vor Monaten die Menge von 3 auf über 6 Mio Kubikmeter erhöht wurde, scheint diese Menge ja aktuell auch nicht mehr auszureichen, so dass das GWM vergrößert werden muss. Für die Erweiterung des GWM benötigt die Bahn Platz. Und diesen Platz hat sie nur auf dem Gelände des Südflügels. Da das Grundwassermanagement eine notwendige Voraussetzung für sämtliche Tiefbauarbeiten sind, muss die Bahn nun also zusehen, dass sie so schnell wie möglich dieses in der richtigen Dimensionierung betriebsbereit bekommt. Wie man heute noch, nach so vielen Jahren Planungen, nicht wissen kann, wie viel Wasser tatsächlich abgepumpt werden muss, spricht Bände für das bestgeplante Projekt der Bahn!

Für uns heißt es jetzt, Kräfte sammeln, vorbereiten und dann vielleicht schon in wenigen Tagen präsent sein, wenn die Hundertschaften erneut in Stuttgart einfallen, um den Schlossgarten abzusperren und die Zeltstadt zu räumen, damit die Bahn die Bäume fällen kann. Ich weiß, an welchem Baum ich sitzen werde, nicht umsonst bin ich vor langer Zeit genau für diesen Baum Pate geworden! Nachdem die Einrichtung des Grundwassermanegements inklusive notwendigem Probebetrieb noch über ein Jahr dauern wird, ist es absolut nicht akzeptabel, dass bereits heute die Bäume gefällt und damit nicht rückgängig zu machende Fakten geschaffen werden. Und da die Landesregierung sich ignorant auf das Ergebnis der Volksabstimmung zurückzieht, das Denken eingestellt hat und der Bahn in vorauseilendem Gehorsam den Gestattungsvertrag für den Park unterschrieben hat, müssen wir Bürger, wir Parkschützer, wir Baumpaten unsere Bäume schützen!

Oben bleiben!

 

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Tue, 24 Jan 2012 00:47:00 -0800 24.01.2012 #s21 Der Widerstand lebt #cams21 #s9000 http://zwuckelmann.posterous.com/24012012-s21-der-widerstand-lebt-cams21-9000 http://zwuckelmann.posterous.com/24012012-s21-der-widerstand-lebt-cams21-9000

Der Widerstand lebt! Zugegeben, "Widerstand" in Stuttgart hat (bisher) eine andere Bedeutung und Ausprägung als Widerstand beispielsweise im Val di Susa oder in Hamburg oder in Berlin, er ist absolut friedlich und erschöpft sich meist in Demonstrationen. Viel eher ist wohl der Begriff der Bürgerbewegung geeignet, die Gegnerschaft zu Stuttgart21 zu umschreiben.

Egal ob Widerstand oder Bürgerbewegung, die Gegnerschaft gegen Stuttgart21 ist so agil und präsent wie eh und je und jeder, der uns einreden will, dass wir nach der Volksabstimmung in der Bedeutungslosigkeit verschwinden würden, muss sich eines besseren belehren lassen.

Sichtbares Zeichen unserer Präsenz war nach den sehr gut besuchten Demonstrationen der vergangenen Wochen gestern die Montagsdemo mit sicher 2.000-3.000 Demonstranten, die spontan in mindestens zwei unterschiedlichen Zügen Richtung Rathaus marschierte. Die offizielle Route durch den Park war einigen Teilnehmern zu "bürgerlich", so dass sich spontan mehrere Hundert Demonstranten abspalteten und Richtung Wagenburgtunnel zogen und die Kreuzung dort besetzten - um ihren Unmut und ihre Empörung über die Nacht-und-Nebel-Aktion am Wagenburgtunnel auszudrücken (http://picasaweb.google.com/102312444829271982174/DerTagDanachAmGebhardMullerPlatz Zum Vergleich ein Bild vom August 2011 siehe ganz unten). Danach ging es weiter Richtung Rathaus. Dort wurden wohl zwei große Mülltonnen mit Holzhackschnitzeln angeliefert - was bei Weitem nicht der Menge entspricht, die am Wagenburgtunnel fabriziert wurde! (Bilder zur Demo und den diversen Demozügen: http://picasaweb.google.com/102312444829271982174/108Montagsdemo - Danke an LoB)

Nach der Demo gab es im Rathaus eine Podiumsdiskussion zum Thema "Stuttgart21 und die Krise", wo der Versuch unternommen wurde, das Projekt Stuttgart21 vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschafts-, Euro- und Schuldenkrise einzuordnen. Der große Rathaussaal war brechend voll. Wenn ich es schaffe, schreibe ich hierzu noch einen separaten Bericht. Nett war eine kleine Begebenheit, als ich um kurz nach 9 Uhr das Rathaus verließ: unser OB wurde in seinem eigenen Rathaus blockiert :-) Einige Bürger standen an der Ausfahrt des Rathaushofes und wollten einfach nicht beiseite gehen, als der OB herausfahren wollte. Schnell war Polizei vor Ort. Ich nehme an, dass der OB irgendwann dann auch herausfahren konnte - wollte mir das aber nicht bis zum Ende ansehen, weil es heute früh ja wieder früh raus ging:

Drittes kraftvolles Zeichen der Lebendigkeit der widerständigen Bürgerbewegung war die heutige Blockade der Baustellen am Südflügel und am GWM. Alle drei Bautore waren von Demonstranten für Fahrzeuge blockiert. Insgesamt waren ab 6 Uhr mehr als 50 Demonstranten anwesend. Die Bauarbeiter parkten neben den Baustellen und liefen zu Fuß zu ihren Arbeitsplätzen - sie wurden ohne Probleme durchgelassen, so dass der Bagger bereits kurz nach 7 Uhr zu rattern anfing. Erst um kurz vor acht Uhr wurde am Tor gegenüber der GWM-Einfahrt ein großer Baustoff-Laster blockiert. Schnell hatte die Polizei, die zuvor bereits im Minutentakt die Straße am Schlossgarten entlangfuhr, um die Lage zu checken und Demonstranten zu zählen, eben diese Straße für den Verkehr gesperrt. 10-15 Wannen waren vor Ort und räumten nach einer Polizeiansage die Blockade vor dem Bautor. Gegen 8:20 konnte der Laster in die Baustelle einfahren.

Wie auch immer sich die Lage bezüglich des Baustopps am GWM entwickelt, bin ich mir sicher, dass sich in den kommenden Tagen wieder zahlreiche Empörte finden werden, die sich vor die Bautore stellen, um zu zeigen, dass sie mit den Vorgängen in Stuttgart nicht einverstanden sind.

Oben bleiben!

Update: und hier noch bildlich gefasst, warum so viele Stuttgarter auf die Straße gehen:  (Wer sich über die genauen Rodungspläne informieren will, findet hier eine hervorragende Aufstellung der Baumpaten: http://www.baumpaten-schlossgarten.de/?seite=aktuelles&id=20)

Baustelle

(Falls der Urheber dieses Bildes Einwände gegen die Veröffentlichung hier hat, möge er sich bitte melden, dann werde ich es umgehend entfernen (zwuckelmann(at)gmx.net))

Update: Der Gebhard-Müller-Platz im August 2011 - dort wächst nun gar nichts mehr!

Gebhard-muller-platz_aug2011

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Tue, 08 Nov 2011 00:08:00 -0800 08.11.2011 #s21 Auf dass sich politisches Handeln endlich wieder an der Vernunft orientiert! http://zwuckelmann.posterous.com/08112011-s21-auf-dass-sich-politisches-handel http://zwuckelmann.posterous.com/08112011-s21-auf-dass-sich-politisches-handel

Bisher habe ich noch kein schlagendes Argument FÜR Stuttgart21 zu hören bekommen. In allen, wirklich in allen Themenbereichen gibt es schlagkräftigere, überzeugendere und vor allem vernünftigere, rationale Argumente, die gegen das Projekt sprechen. (Wer ein überzeugendes Argument hat, schicke mir das bitte oder setze es in den Kommentar!)

Wie so oft bestimmt nicht die Vernunft, die Ratio über Wohl und Wehe solch großer Projekte, sondern reines Bauchgefühl, Marketing und Unvernunft. Das heißt, es ist natürlich nicht auszuschließen, dass es für den ein oder anderen Menschen nicht zuletzt aus wirtschaftlichen oder machtstrategischen Überlegungen doch äußerst rational sein kann, für Stuttgart21 zu sein. Diese lassen sich aber an wenigen Fingern abzählen. Für die Bevölkerung in Baden-Württemberg und erst recht für die Bevölkerung in Stuttgart ist und bleibt das Projekt schlichtweg unvernünftig.

So kämpfen wir mit den vernünftigen, rationalen Argumenten gegen Dummheit, selbstverschuldete Unmündigkeit und eine Marketing-Maschinerie, die sich gewaschen hat. Natürlich zieht der Spruch: "weiter ärgern oder fertig bauen!", denn wer will sich schon ärgern? Ich nicht! Und "fertig bauen" klingt danach, als wäre der Großteil schon gebaut und es ginge nur noch um den Rest. Rational betrachtet müsste es allerding heißen "Weiter ärgern UND fertig bauen!", denn wenn die Stuttgarter Innenstadt mit ihren zwei, drei Hauptschlagadern erst einmal eine riesige Baustelle ist, wird für Freunde des ungezügelten Individualverkehrs der Ärger erst losgehen. Aber natürlich suggeriert die Pro-Seite lieber den umgekehrten Fall und man kann sich als aufgeklärter Mensch nur fragen, was denn zu Ärger führen sollte, wenn man das Projekt abbricht und oben bleibt. Aber wer nicht denken mag, wer sich nichts fragt, bleibt eben dumm und fällt auf diese Marketingtricks herein.

Im selben Maße unvernünftig, marketingmäßig aber äußerst geschickt ist die Behauptung, dass der Ausstieg 1,5 Mrd. Euro kosten würde. Dass dies eine reine unbelegte Behauptung der Bahn ist, die man nun wahrlich nicht als neutrale Instanz ansehen kann, stört offenbar nicht weiter. Rational ist das nicht, sondern in höchstem Maße blauäugig, wenn nicht sogar dumm!

Wie gestern bereits angeklungen ärgert mich der von der Parteispitze der SPD vorgegebene Scheuklappen-Kurs in Sachen Stuttgart21, der sich eben an dieser Unvernunft orientiert! Zwar mag es je nach Strategie durchaus rational für diese Partei sein, an Stuttgart21 festzuhalten, vor allem wenn sie eigentlich viel lieber mit der CDU koalieren würde und kein Problem damit hat, die Grün-Rote Koalition platzen zu lassen. Nachhaltig ist dieser Kurs aber nicht, denn die Partei und vor allem die Parteiführung macht sich mit ihrem Verhalten vollkommen unglaubwürdig, wenn sie Berechnungen der damaligen Regierung aus 2009 als "Schnee von gestern" bezeichnet - zumal es seither keine Neuberechnung, sondern nur eine sehr fragwürdige Fortschreibung mit 900 Mio. nicht bewiesenem, theoretischem und bisher nicht genehmigtem Kosteneinsparpotenzial gegeben hat. Es ist also klar, dass die CDU-Regierung billigend in Kauf nahm, dass S21 wesentlich teurer wird als 4,5 Mrd. Euro. Die SPD wurde (genauso wie die gesamte Bevölkerung in Baden-Württemberg) bewusst und offensichtlich angelogen, damit sie nicht vom Pro-Kurs abweicht - aber das stört die Parteispitze nicht weiter, lieber biedert sich die SPD weiterhin der CDU als potenzieller Koalitionspartner an. Vernünftig ist das nicht, das ist nicht ehrlich, und redlich schon dreimal nicht! Die Reaktion auf diese (erneute) Enthüllung ist in meinen Augen nur noch unanständig und diqualifizierend, denn hier wird Machtpolitik auf Kosten des Wahlbürgers und Steuerzahlers betrieben! Aufklärung war einmal, heute heißt die Prämisse sozialdemokratischen Handelns Anbiederung!

Und ein letztes noch für heute: wenn es um die Kosten geht, spielt doch Parteipolitik eigentlich keine Rolle! Auch SPD, CDU und FDP müssten doch an einer transparenten, ehrlichen Kostenkalkulation interessiert sein, immerhin schimpfen sich die Abgeordneten dieser Parteien Volksvertreter. In Frankfurt und in München herrscht parteiübergreifend ein großes und gesundes Misstrauen der Politiker der Bahn gegenüber, denn die Bahn als privatwirtschaftliches Unternehmen ist eben nicht mehr dem Wohl der Bevölkerung verpflichtet. Dass die Volksvertreter dieser Parteien, die hingegen sehr wohl dem Wohle des Volkes verpflichtet sind, diese Verpflichtung in Stuttgart nicht wahrnehmen, ist ein Skandal und zum Verzweifeln und stärkt ganz sicher nicht das Vertrauen in diese Parteiendemokratie!

Auch deshalb stand ich heute morgen wieder am GWM und demonstrierte mit vielen anderen. Gestern bei der Montagsdemo und auch heute morgen hatte ich so viele gute, vernünftige Gespräche! Und immer wieder bin ich vollkommen überwältigt, wie aktiv, wie kreativ und wie unnachgibig und nimmermüde ein großer Teil der Demonstranten ist. In der Überzeugung, dass doch die besseren Argumente siegen, wird wie verrückt in ganz Baden-Württemberg informiert, plakatiert, aufgeklärt und Veranstaltungen organisiert, von der Spendenwut ganz abgesehen. Es steckt so viel Herzblut in diesem Widerstand, dass ich gerade wieder ganz optimistisch bin, dass wir vollkommen unabhängig davon, was nach dem 27. November kommen mag, am Ende doch gewinnen werden! Wir fallen auf keine Marketingtricks rein, wir sind aufgeklärt und vernünftig und verlangen, dass Aufklärung und Vernunft wieder die Orientierungspunkte politischen Handelns in Stuttgart sind bzw. werden.

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Wed, 19 Oct 2011 00:27:00 -0700 19.10.2011 #s21 Wie kann man bei so viel Wut gelassen bleiben? http://zwuckelmann.posterous.com/19102011-s21-wie-kann-man-bei-so-viel-wut-gel http://zwuckelmann.posterous.com/19102011-s21-wie-kann-man-bei-so-viel-wut-gel

Die Ereignisse vom Montag Abend beschäftigen mich noch immer. Inzwischen hat mir Felix, ein Proler, einen Bericht einer Prolerin zukommen lassen, in dem sie ihre Sicht der Vorgänge am Montag Abend schildert. Dieser Bericht macht mich schon etwas nachdenklich! Bei aller berechtigter Wut, die auch ich ganz enorm verspüre, gilt es dennoch, Regeln einzuhalten! Für alle Seiten!

Die aktuelle Diskussion hierzu (und auch der Bericht der Prolerin) in den Kommentaren zum Bericht vom 17.10.: http://zwuckelmann.posterous.com/17102011-s21-der-ganz-normale-montagsdemowahn

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Mon, 17 Oct 2011 11:41:00 -0700 17.10.2011 #s21 Der ganz normale Montagsdemowahnsinn http://zwuckelmann.posterous.com/17102011-s21-der-ganz-normale-montagsdemowahn http://zwuckelmann.posterous.com/17102011-s21-der-ganz-normale-montagsdemowahn

Wie üblich gab es um 17:30 vor dem Südflügel das 14. Plädoyer, danach gab es die übliche 95. Kundgebung vor der großen Schalterhalle und den Demozug zum Schlossplatz. Nun begab es sich, dass sich Pro-ler genau um 19:30 am I-Punkt trafen, um Aufkleber abzukratzen, also genau da, wo sich die Montagsdemo auflöst und Konfrontationen fast vorprogrammiert sind. Es war aber keine normale Abkratzaktion, sondern es hatte sich Tanja Gönner angekündigt. (Wer war Tanja Gönner doch gleich? Achja, an ihren irritierend-wärbenden Blick kann ich mich noch dunkel erinnern.) Und natürlich wurde es laut, gab viele Szenen, bei denen sich Befürworter und Gegner gegenseitig fotografierten, beschimpften und diskutierten (ja, das gab es auch!) Allerdings war Tanja nirgends zu sehen. Dennoch kam die Polizei, um die Menge etwas zu kontrollieren. Dann teilte sich der Pulk, der auf dem Heimweg der Demo war. Ein Teil ging zur kleinen Schalterhalle und demonstrierte noch etwas davor weiter, mal auf der einen, mal auf der anderen Straßenseite, wobei eifrig von der Fußgängerampel Gebrauch gemacht wurde - ein wenig kindisch, aber jeder Jeck ist eben anders. Der andere Teil ging zum Schlossplatz zurück, denn dort sollte dann Tanja Gönner Aufkleber abkratzen. Es gab einige Pro-ler, die unmittelbar nach dem Demozug hinter den Gegnern zum Schlossgarten herliefen. Als sie gefilmt wurden, setzte sich ein Proler zur Wehr, wodurch die Kamera zu Bruch ging. Angeblich wurden die Proler daraufhin angegangen, was aber anhand der Live-Übertragung von cams21 nicht bestätigt werden kann. Die K21-Befürworter verfolgten die Proler und skandierten "abkratzen!", wobei die Proler sich wohl nicht anders zu schützen wußten, als sich in die Bannmeile des Landtags zurück zu ziehen. Dort fühlten sie sich von der Polizei beschützt. Die K21-Befürworter wurden von der Polizei in Schach gehalten, es kam zu langen Diskussionen - und einmal mehr wurde die eigenartige Wahrnehmung der Polizei deutlich, denn auch hier wurde immer und immer wieder behauptet, die Aggressionen seien von den K21-Befürwortern ausgegangen. Liebe Polizei, schaut mehr cams21, dann wißt ihr besser Bescheid!

Das Ende vom Lied war, dass sich die Proler ins Restaurant im Landtag begeben haben (!!!), wo sie vielleicht auf Fraktionskosten der CDU/FDP/SPD zu einer kleinen Erfrischung eingeladen werden. Bestimmt tut es ihnen gut, sich im Zentrum des lange währenden Filzes hofiert zu sehen. Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm.

Es ist insgesamt schon ziemlich plump von den Prolern, die K21-Befürworter immer wieder dadurch zu provozieren, dass genau am Ende der Montagsdemos die Abkratzaktionen stattfinden. Wenn man dann noch mit dem Reizwort Gönner kommt, ist es natürlich zu verlockend, mal zu schauen. Das wurde dann auch getan. Was erwarteten die Proler? Tanja Gönner war übrigens nur im Landtag zu sehen.

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Mon, 19 Sep 2011 23:18:00 -0700 20.9.2011 #s21 Frühstücksdemo mit massivem Polizeiaufgebot, das nicht abzieht http://zwuckelmann.posterous.com/2092011-s21-fruhstucksdemo-und-wen-interessie http://zwuckelmann.posterous.com/2092011-s21-fruhstucksdemo-und-wen-interessie

Nachlese zu gestern Abend: Erstaunlich fand ich, dass bei der Kundgebung auf der Montagsdemo, die unzweifelhaft mit Peter Conradi und Hannes zwei gute Sprecher hatte, von der Moderation überhaupt nicht auf die blauen Rohre eingegangen wurde, die sich ja neuerdings direkt hinter der Bühne befinden. Dieses deutliche Zeichen der Bahn, Fakten zu schaffen, wurde schlichtweg genauso ignoriert wie die 300 Meter Rodung von Sträuchern im unteren Schlossgarten, wo in naher Zukunft die ersten Rohre verlegt werden. Wieso wird das nicht thematisiert? Warum ist es wichtiger, die Teilnehmer dazu aufzurufen, nicht an Spontandemos teilzunehmen, anstatt den Frevel, der in Stuttgart täglich passiert, in Worte zu fassen? Für mich schlicht unverständlich!

Umso besser fand ich, dass sich doch einige hundert Teilnehmer spontan entschlossen, zur Staatsanwaltschaft zu marschieren, um dort gegen die massive Kriminalisierung der Gegner von S21 zu demonstrieren. Danach ging es noch in den Schlossgarten zur Platanenallee, wo gestern erste Rodungsarbeiten stattfanden. Und wieder waren mehrere Zivilpolizisten unter den Demonstranten, die sich ziemlich schnell mit Hilfe von Kollegen verzogen, nachdem man sie entdeckt hatte. Ich finde Spontandemonstrationen gut, wenn sie zielgerichtet sind. Dann kann die Polizei, so wie gestern, auch entsprechend reagieren. Ich finde sie wichtig, weil die offizielle, angemeldete Demoroute  immer dieselbe ist und nicht auf aktuelle Ereignisse reagiert.

Zu heute früh: als ich um kurz vor sechs ans GWM kam, waren bereits 6 Wannen dort. Um sechs Uhr kamen weitere 5 Wannen, so dass der Parkplatz vor der Expressgüterhalle noch bevor ein Baufahrzeug überhaupt da war, bereits voll von Polizei war. Was eine Machtdemonstration! Wow! Auch war der moderne Polizeibus wieder da mit Teleskop-Kamera und Richtmikrofon und beobachtete die Szene. Um 6:15 kam dann der erste Arbeiter, danach immer mehr, bis ca. 7 Fahrzeuge in einer Schlange standen. Insgesamt waren bestimmt 60-70 Personen vor Ort und auch die Lokomotive-Trommler - vielen Dank dafür!!! Die Polizei ließ sich, obwohl sie so früh da waren, erstaunlich viel Zeit, denn erst um kurz vor 7 Uhr kam die erste Durchsage, dann wurden 4 Mutige, die der Aufforderung der Polizei nicht Folge leisteten, weggebracht. Sie erhielten einen Platzverweis und eine Anzeige wegen des Verdachts der Nötigung - obwohl zwei Tore nicht blockiert waren. Naja, das ewig selbe Spiel. Dann fuhren die Fahrzeuge unter Pfiffen und Rufen ein. Kurz darauf kamen unter Polizeischutz auch die ersten Fahrzeuge wieder heraus und fuhren Richtung Wolframstraße in den unteren Schlossgarten. Ein Teil spazierte dann auch in den unteren Schlossgarten zur Platanenallee, ein Teil blieb vor Ort am GWM. Das massive Polizeiaufgebot blieb auch vor Ort.

Heute war der Einsatzleiter einmal wieder Herr Passaro aus Stuttgart Ost. Er sprach uns heute wieder ab, eine spontane Versammlung zu sein. Die Polizei entscheidet das ziemlich willkürlich, dabei gab es heute Kundgebung und Transparente und auch einen aktuellen Anlass - keine Ahnung, nach welchen Kriterien Herr Passaro entscheidet, ob wir eine spontane Versammlung sind oder nicht. Sein Argument war nun offenbar, dass es ja seit Wochen immer dasselbe sei. Lieber Herr Passaro, es ist seit Monaten, fast schon seit einem Jahr dasselbe! Was die Sache nicht besser macht, was aber auch keine Rechtfertigung sein kann, denn wir haben ja seit Jahren und immer wieder aus aktuellen Anlässen allen Grund, zu demonstrieren. Gerne erkläre ich Ihnen beim nächsten Mal unsere aktuellen Gründe.

Im GWM wurden Rohre verladen, die Bauarbeiten an der Platanenallee gehen aktuell weiter, cams21 ist mit vielen anderen Demonstranten vor Ort!

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